Rückblick 2013


Bibelseminar

Abendmahl – gemeinsam eingeladen!

Das zentrale Sakrament der christlichen Kirchen ist das Abendmahl. Darin feiern Christen die Gegenwart ihres Herrn und die Gemeinsamkeit ihres Glaubens. Dennoch ist gerade hier die Trennung der Kirchen und die unterschiedliche Haltung schmerzhaft zu spüren.
Wir fragen in diesem Bibelseminar nach den biblischen Wurzeln, der Bedeutung von gemeinsamen Mahlfeiern besonders beim Evangelisten Lukas, nach den ersten Auseinandersetzungen zum und bei diesem Sakrament. Wir werden noch nicht dazu gelangen, gemeinsam zu feiern, aber vielleicht –hoffentlich!- doch, einander besser zu verstehen.

Gesprächsleitung: Pfarrer i.R. Volker Horstmeier


Donnerstag, 07.11.2013,
Donnerstag, 14.11.2013,
Donnerstag, 21.11.2013, mit Pfarrerin Kerstin Othmer-Haake, Arbeitsstelle Gottesdienst und Kirchenmusik der Ev. Kirche von Westfalen
Beginn 19:00 Uhr, entgeldfrei, Gemeindehaus an der Erlöserkirche, Ehmsenstraße 23, Arnsberg


"Westfälisches Abendmahl" Wiesenkirche / Soest

"Westfälisches Abendmahl" Wiesenkirche / Soest


Rückblick Bibelseminar der Ev. Akademie Arnsberg

Bibelseminar zum Abendmahl

„Alle sind eingeladen!“- hieß es im Titel des diesjährigen Bibelseminars der Ev. Akademie Arnsberg, und viele sind gekommen. Es ist mehr als zufriedenstellend, wenn einer solchen Einladung so viele Menschen aus beiden Kirchen (!!) folgen, dass der Raum voll besetzt ist und kaum ausreicht.
Das Thema des Bibelseminars war „Abendmahl“. Es gab diesmal einen deutlichen biographischen Bezug zu diesem brisanten Thema: am ersten Abend schilderten die Teilnehmenden ihre Erinnerungen und Gedanken zum Symbol Brot; am dritten Abend legte die Referentin Kerstin Othmer-Haake die bekannte Emmaus-geschichte mit einem biographischen Zugang aus; immer wieder berichteten Teilnehmende der Runde von ihren Erfahrungen. Da gab es auch leidvolle Erlebnisse, wenn Ehepartner aus verschiedenen Kirchen nicht gemeinsam am Abendmahl teilnehmen konnten.
Da erwies sich der zweite Abend als Schlüssel zum Verständnis. Bereits in der frühesten Christenheit gab es erhebliche Auseinandersetzungen um das Sakrament der Gemeinschaft und der Einheit. Die Entwicklung des Verständnisses hält an: die Praxis der Abendmahlsfeiern heute sind deutlich anders als früher: nicht mehr so düster und zerknirscht, sondern durchaus ernst und fröhlich, verbindend und vergegenwärtigend. Das Beispiel des „Westfälischen Abendmahls“ in der Wiesenkirche Soest zeigt, wie sich Abendmahlserfahrung und –verständnis bodenständig weiter entwickeln kann.

Lessing - voll toll! Voll Toleranz!

„Nathan der Weise“ als Ausdruck aufgeklärter Toleranz

Gotthold Ephraim Lessing ist heute vielen Menschen bekannt. Schulklassen werden in Theater gekarrt, lesen seinen „Nathan der Weise“. Dagegen: wer kennt schon Götze? Nein, nicht den Fußballspieler, sondern den Hamburger Pastor – „Hauptpastor!“ - Götze. Von der Kanzel wetterte der intolerante Geistliche gegen Lessing, sorgte dafür, dass die Zensur ein Schreibverbot verhängte, machte ihm mit böser Hassrede und Borniertheit das Leben schwer.

In dieser Situation entstand das berühmte Theaterstück „Nathan der Weise“, das in seinem Kernstück, der Ringparabel, zu einem Verhalten der Toleranz aufruft. Im Geiste der Aufklärung setzte sich Lessing dafür, nach der Wahrheit zu suchen, auch darüber und dafür zu streiten, und dabei auf alles Rechthaberische zu verzichten.

Im Themenjahr der Ev. Kirche „Toleranz“ ist daher ein Abend, der sich mit dem Denken und Leben Lessings beschäftigt, gut verortet. OStD Klaus Ullrich vom Gymnasium Laurentianum gibt eine Einführung in das Denken Lessings und fragt nach den Impulsen für unsere Zeit.

Referent: OStD Klaus Ullrich
Mittwoch, den 02. Oktober 2013, 19.00 Uhr im Rittersaal des Alten Rathauses.


Rückblick auf die Veranstaltung:

Lessing- voll toll! Voll Toleranz! „Nathan der Weise“ als Ausdruck aufgeklärter Toleranz

War das ein beeindruckender Abend der Ev. Akademie!

OStD Klaus Ullrich, leitender Pädagoge des Laurentianums, zog mit seinem Vortrag über Lessing und die Toleranz die jungen und alten Zuhörer im gut gefüllten Rittersaal des Alten Rathauses mit einem gekonnten Vortrag in seinen Bann.

In einer sehr eindrucksvollen Weise verstand er es, einen Spannungsbogen zu schlagen von den kulturhistorischen Wurzeln von Luther über Locke und Leibniz zu Lessing. Er ist in seinen Wirkungen in etwa zu verstehen als Türöffner der Moderne: den Dingen mit Vernunft auf den Grund gehen, andere Ansichten befragen und rational verstehen. Die Entwicklung der Bibelwissenschaft mit rationaler, historisch-kritischer Methode hat Lessing entscheidend mit beeinflusst, um „den garstig breiten Graben“ des Verstehens zu überwinden. Das Mit- und Nebeneinander der Religionen war bereits sein Thema bei der Aufnahmeprüfung zur höheren Schule: ein auf Latein geschriebener Aufsatz zum Verhältnis der Religionen, und das im zarten Alter von 12 Jahren! Sein Geist des Widerspruchs führte Lessing auch in die Auseinandersetzung mit dem Hamburger Hauptpastor Göze, aus der heraus der berühmte „Nathan der Weise“ entstand.

Der Spannungsbogen des Vortrags reichte im Anschluss an die Ausführungen zum „Nathan“ hin zur höchst aktuellen Fragestellung der Toleranz und ihrer Bedingungen heute. Toleranz kann eben nicht beliebig oder „gleich-gültig“ sein, sondern fordert einen eigenen Standpunkt und die respektvolle Auseinandersetzung mit anderen. „Es eifere ein jeder seiner unbestochenen, von Vorurteilen freien Liebe nach!“-dieses Motto aus dem „Nathan“ kann auch heutzutage das Miteinander der Religionen prägen.

Dieser äußerst gelungenen Abend, mit dem die Ev. Akademie Arnsberg Anteil hatte an dem Themenjahr der Ev. Kirche „Rechtfertigung und Toleranz“, endete zwar nicht mit allseitigen Umarmungen, wie es in der letzten Bühnenanweisung im „Nathan“ heißt, aber gleichwohl mit großem Staunen, starkem Eindruck und großer Dankbarkeit dem Referenten gegenüber.

EinGriff in die Schöpfung?

Dr. Dr. Günter Goldbach

Zur Problematik der Präimplantationsdiagnostik aus christlicher Sicht

Die Fortschritte in der Medizin, speziell auf dem Gebiet der Gentechnik, bieten uns scheinbar immer neue Möglichkeiten. Besonders in den Grenzsituationen des menschlichen Lebens: am Anfang und an dessen Ende, werden diese Möglichkeiten in unserer Gesellschaft kontrovers diskutiert. Die Frage wird immer drängender gestellt: Dürfen wir alles, was wir können? Liegt das Leben in unserer Hand?
Ein Spezialproblem innerhalb der Geburtenregelung ist dabei die Frage nach der Präimplantationsdiagnostik (PID). Der Check des Erbgutes, die Forschung an lebensfähigen menschlichen Embryonen – ist das erlaubt? Ist nicht die Würde des Menschen unantastbar – wie es das Grundgesetz festlegt? Aber hat auch schon der ungeborene Mensch diese unantastbare Würde? Und steht nicht auch das christliche Menschenbild auf dem Spiel? Will sagen: Kann, wer die Menschen als gleichberechtigte Geschöpfe Gottes ernst nimmt, zwischen lebenswertem und lebensunwertem Leben unterscheiden?
Diesen und anderen Fragen soll in der Veranstaltung am 24. September in Vortrag und Diskussion nachgedacht werden.

Referent: Dr. Dr. Günter Goldbach
Dienstag, 24.09.2013, 19.00 Uhr , in Rittersaal des Alten Rathauses, Arnsberg



Rückblick auf die Veranstaltung:


Zur Problematik der Präimplantationsdiagnostik aus christlicher Sicht. Vom 24.09.2013

Mit der Präimplantationsdiagnostik (PID) ist ein weiterer Meilenstein des wissenschaftlich- medizinischen Fortschritts gelungen. Doch damit verbindet sich in gravierender Weise die ehtische Problemaitk: Sollen Menschen alles machen (können), was ihnen möglich ist? Dürfen sie es?

Der Referent, Dr. Dr. Gunter Goldbach, Dozent an der Universität Osnabrück und Autor zahlreicher Veröffentlichungen, verstand es an diesem Abend, in präziser, prägnanter und mitunter auch provokativer Weise die ethischen Grundfragen der PID zu beleuchten. Die in sich diffizile ethische Fragestellung gewinnt Gewicht durch die Schilderung einzelner Beispiele wie etwa der Eltern, die wissentlich ein behindertes Kind zur Welt bringen –und damit erfüllt sind von Liebe! Oder am Beispiel eines „Tagebuchs eines Fötus‘ vor dem Abbruch der Schwangerschaft“. Kann man bei solchen menschlichen Schicksalen von „Fällen“ sprechen? In jedem Falle ist die Menschenwürde ein zentraler Begriff in der Auseinandersetzung. Daran müssen sich auch mögliche „Rote Linien“ messen lassen, wenn Fortschrittsgläubigkeit sich mit einem Machbarkeitswahn vermengt.

Eine aufmerksame Zuhörerschaft verfolgte die Ausführungen von Dr. Dr. Goldbach mit hohem Interesse. Sie wurde bereichert durch ein vertieftes Nachdenken zum christlichen Menschenbild.

(Zur Vergrößerung klicken Sie bitte in die Bilder)

Frühjahr-Sommerprogramm 2013

Ökumene im Dialog


Was für ein Gott! Annäherungen an das Verständnis vom nahen und fernen Gott

Beim Propheten Jeremia heißt es: „Bin ich nur ein Gott, der nahe ist, spricht der Herr, und nicht auch ein Gott, der ferne ist?“. Diese Erfahrung machen Menschen, die auf der Suche nach Gott sind. Mal haben sie das Glück und empfinden Gott als sehr zugewandt, gnädig und liebevoll. Dann haben sie andererseits das Gefühl: Gott hält sich verborgen, unerreichbar fern. Wie kann man das begreifen?
Diese beiden Seiten des biblischen Gottesverständnisses beleuchten die beiden Theologen aus den Arnsberger Kirchengemeinden an zwei Abenden. Sie geben Impulse zum Gespräch und eröffnen so die „Ökumene im Dialog“.

Dechant und Propst Hubertus Böttcher,
Pfr. Johannes Böhnke, M.A.
Dienstag, 14. Mai 2013 19.00 Uhr im Kapitelsaal des Klosters Wedinghausen
Dienstag, 28. Mai 2013, 19.00 Uhr in der Auferstehungskirche, Neumarkt.



Rückblick auf die Veranstaltung:

Zu zwei Veranstaltungen hatte die Ev. Akademie Arnsberg eingeladen, die unter einer gemeinsamen Überschrift firmierten: Ökumene im Dialog. An beiden Abenden, dem 14. und 28. Mai 2013 fokussierten sich die Beiträge um die Gottesfrage: „Um den nahen und den fernen Gott“
Am ersten Abend konnte Dechant und Propst Hubertus Böttcher den Zugang zu dieser Frage aus seiner Sicht kompakt darstellen. Eingebunden in die Kirche, erfahren Menschen in ihrem Glauben und Zweifeln, in ihrem Erleiden und Erleben die Wirklichkeit Gottes, der Menschen nahe sein will. Am zweiten Abend wurde von Pfr. Johannes Böhnke M.A. der lutherische Zugang zu dieser Frage verdeutlicht: der Mensch findet als selbstverantwortliches Individuum Zugang zum gnädigen Gott, der Menschen in ihren existentiellen Nöten nicht zerbrechen lässt. Beide Impulsreferate offenbarten einen für die jeweilige Kirche typischen Zugang und zeigten damit deutlich die jeweiligen Positionen an.
Daran schlossen sich jedes Mal kleine Gesprächsrunden zum Gedankenaustausch an, in denen die Impulse vertieft wurden. Dabei kamen sich die Teilnehmer im Sinne der Überschrift mit ihren jeweiligen Ansichten näher. „Das war heute schwere Kost!“, meinte einer der Teilnehmer am Ende eines Abends, „aber gut!“. Neben der Möglichkeit gemeinsamer Projekte und Feiern der Kirche kam hier nun auch das gemeinsame Nachdenken nicht zu kurz. Das kann für einen vertieften Dialog der Ökumene nur von Vorteil sein. Darum schloss die Veranstaltung mit dem Wunsch, wie denn Veranstaltungen zu diesem Thema fortgesetzt werden könnten. Ökumene im Dialog ist sicherlich nur immer eine Station auf einem langen Weg des Miteinanders.

Abrahams Enkel begegnen einander


Drei große Weltreligionen sind durch den Glauben Abrahams verbunden: das Judentum, das Christentum und der Islam.
Vertreter dieser drei Bekenntnisse – als „Abrahams Enkel“- entdecken Gemeinsamkeiten, benennen Unterschiede und begegnen einander in Respekt. Sie bringen uns damit ins Gespräch und zum Nachdenken darüber, Vertrautes im fremden Bekenntnis zu entdecken und Fremdes anzunehmen.
Im Zusammenhang des Luther-Themenjahrs „Rechtfertigung und Toleranz“ will diese Veranstaltung ein Beitrag in unserer Region sein zu respektvollem Umgang miteinander.

Michael Rubinstein (Geschäftsführer der Synagoge Duisburg, Dialogbeauftragter der Landesverbände der Jüdischen Gemeinden in NRW;)
Pfr. i.R. Wilfried Oertel, Meschede, Beauftragter des Kirchenkreises Arnsberg für den christlich-jüdischen und christlich-muslimischen Dialog.
Dr. Ahmet Arslan (DITIB-Moschee Meschede Dialogbeauftragter der DITIB-Moschee in Meschede.)

Donnerstag, den 21. März 2013, 19.00 Uhr Rittersaal des Alten Rathauses, Arnsberg




Rückblick auf die Veranstaltung:

Toleranz – Respekt – Dialog! Um diese Thematik im Rahmen der Lutherdekade ging es in der Dialogveranstaltung zwischen Christen, Muslimen und Juden, an die sich eine lebhafte Diskussion anschloss. „Abrahams Enkel“ sprachen über ihre gemeinsamen Wurzeln. Die Referenten leiteten den Abend mit je einem Statement ein, in dem sie ihre Positionen darlegten.


Herr Pfr. i.R. Oertel stellte die Frage: „Was hatte Martin Luther mit Dialog am Hut?“ Er kannte den Dialog im heutigen Sinne nicht. Gehört mangelnde Dialogbreitschaft zum protestantischen Erbe? Luther schreibt selbst, dass er mit Juden und Muslimen Probleme hatte (s. folgende Schriften: „Das Jesus Christus ein eingeborener Jude sei“ von 1523; „Von den Juden und ihren Lügen“ von 1543). Sein Verhältnis ihnen gegenüber war unversöhnlich und aggressiv. Als die Türken 1529 vor Wien standen, hatte Luther kaum Informationen über den Islam. Er ermahnte zum Gebet gegen die Türken. Seine Begründung: die Türken leugnen christliche Dogmen, die religiöse und politische Gewalt liegt beim Sultan und sie gehen der Vielweiberei nach. Die evangelische Kirche befasste sich ab 1999 intensiv mit dem Verhältnis zu den anderen monotheistischen Religionen. Ziel war die Änderung der Kirchenordnung. Ein Dialog direkt nach dem Krieg fand nicht statt, da die Evangelische Kirche zu sehr mit den Preußen und, in Teilen, auch mit dem Nationalsozialismus verknüpft war.

Herr Rubinstein stellte die jüdische Position dar. Abraham sei kein Theologe gewesen, sondern der Vater vieler Völker. Aufgrund des geringen Anteils der Juden an der Bevölkerung sei in Deutschland die Möglichkeit eines Dialogs mit den beiden anderen monotheistischen Religionen kaum möglich. Aber: eine Begegnung muss von allen Seiten ohne Scheuklappen erfolgen, den Anderen nicht von seiner Religion überzeugen wollen und versuchen, sich in die Sichtweisen der anderen Religionen hineinzuversetzen, um Unterschiede auszuhalten. Ein Dialog kann nur auf Augenhöhe stattfinden. Zum Dialog gehört das Ringen miteinander. Die anderen Religionen müssen als Bereicherung gesehen werden. Ein ständiger Austausch ist wichtig, um die Trennung nicht als schmerzlich zu empfinden. Dabei darf es keine Versuche der Missionierung geben. Herr Rubinstein machte deutlich, dass für die Juden auch ein Dialog im Innern wichtig ist, z.B. bei der Beurteilung des Begriffs Sünde. Es gibt unabsichtliche Sünden, Frevel und Rebellion (Vergewaltigung und Mord). Während die ersten beiden im Leben durch Buße beim Versöhnungsfest vergeben werden, kann die letzte nicht im Leben vergeben werden. Dialog und Ringen sind im Judentum wichtige Bausteine. Eine Diskussion gehört zur Belebung des Glaubens. Das Perfekte ist kein Vorbild. Abraham ist im Judentum kein Prophet. Er ist für die Juden wichtig, weil die Beschneidung, als Zeichen des Bundes des Menschen mit Gott, auf ihn zurückgeht.

Herr Aslarn sprach als Vertreter des Islam und appellierte, den Dialog auf eine neue Grundlage zu stellen. Abraham steht für Einheit in Verschiedenheit. Eine Einheit, die keine Verschiedenheit kennt, führt in ein totalitäres Verhältnis. Abrahamitische Ökumene heißt, dass die Adressaten der Botschaft Gottes in geschwisterlicher Sorge Verantwortung füreinander übernehmen. Das heißt, echte Geschwisterlichkeit lebt von Solidarität. Gewalt verhindert einen Dialog. Herr Aslarn unterstrich, dass eine neue Dialogpraxis nötig ist, die in erster Linie vertrauensbildende Maßnahmen herausarbeitet. Eine Vereinnahmung von Staaten für religiöse Zwecke ist abzulehnen. Die Existenz der anderen Religionen sollte als Bereicherung erfahren werden. Das kann nur gelingen, wenn miteinander ständig Gespräche stattfinden. Ein ständiger Austausch ist wichtig, damit die Trennung nicht schmerzlich empfunden wird. Dabei darf keine Missionierung beabsichtigt sein.

Fazit: Gottes Verheißung gilt allen Menschen. Interreligiöse Kompetenz kann es nur im Dialog miteinander geben. Er darf nicht zur Ausgrenzung einzelner Religionen führen.

Margit Scholz


"Vom einzigen Trost"


450 Jahre Heidelberger Katechismus

„Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“, so lautet die berühmte 1. Frage des Heidelberger Katechismus‘. Mit diesem Werk,. das vor 450 Jahren von Kurfürst Friedrich („der Fromme“) von der Pfalz herausgegeben wurde, wurde das Bildungswesen in Kirche und Schule auf eine neue Grundlage gestellt: Alle Christenmenschen sollten befähigt werden, über ihren Glauben Auskunft zu geben. Der Glaube sollte sich im eigenen Mit-denken erschließen- im damals sehr modernen Frage-Antwort-Schema.
Nach 450 Jahren in Gebrauch, besonders in der reformierten Kirche, fragen wir heute nach der bleibenden Relevanz dieses Werkes. Grundaspekte des Lebens und des Glaubens und die elementare Frage nach dem, was Menschen verlässlich und nachhaltig birgt und getrost macht, sind die bleibenden Anfragen. Auf dem Weg zum Reformationsjubiläum kommt dieser reformatorischen Schrift, die Konfessionen verbinden und verbindlich sein will, besondere Bedeutung zu.

Referent: Pfr. i.R. Alfred Mengel, Lengerich/Emsland, ehemaliger Superintendent des Ev.-ref. Kirchenkreises Emsland - Osnabrück, Mitglied im Theologischen Ausschuss der Evangelisch-Reformierten Kirche.
Donnerstag, 14. März 2013, 19.00 Uhr im Rittersaal des Alten Rathauses, Arnsberg

Pfr. i.R. Alfred Mengel


Rückblick auf die Veranstaltung:

Heidelberger Katechismus: seit 450 Jahren modern, verbindend und verbindlich

Vor 450 Jahren wurde der Heidelberger Katechismus durch den Kurfürsten Friedrich III von der Pfalz veröffentlicht. Die Ev. Akademie Arnsberg würdigte dieses Jubiläum mit einer Veranstaltung zu diesem Bekenntnisbuch der Reformierten Kirche. Im gut besetzten Rittersaal des Alten Rathauses –es war auch eine Gruppe der Reformierten Gemeinde aus Soest vertreten- lauschten die Zuhörerinnen und Zuhörer den Ausführungen des Referenten.
Alfred Mengel, ehemaliger Superintendent aus dem Emsland und Mitglied des theologischen Ausschusses der Reformierten Kirche, verstand es, das alte Buch in einer sehr lebendigen und anschaulichen Weise nahe zu bringen, gewürzt mit etlichen Anekdoten und persönlichen Eindrücken.
Er stellte den Heidelberger Katechismus vor Augen, im wörtlichen Sinn mit mehreren, auch historischen Ausgaben.
Im Zusammenhang seiner Entstehung wurde die ursprüngliche Absicht vorgestellt, zwischen den protestantischen Konfessionen zu vermitteln und zu verbinden. Insofern war dieser Abend auch ein Beitrag innerhalb des Themenjahrs der Ev. Kirche „Rechtfertigung und Toleranz“.
Der Katechismus sollte vor allem dazu dienen, den christlichen Glauben zu erschließen und verständlich zu machen. Auf diese Weise sollten die einzelnen Christen befähigt werden, über ihren eigenen Glauben verbindlich Auskunft zu geben. Insofern ist das alte Buch jedoch auch ein modernes Dokument. Es liegt ihm ein Menschenbild zugrunde, das die Eigenverantwortlichkeit und Selbstbestimmtheit des Individuums –vor 450 Jahren!- hoch achtet. Mit dieser Grundhaltung ist er nach wie vor relevant für unsere Zeit.
Ebenso ist der Heidelberger Katechismus als ein im besten Sinne modernes Dokument zu würdigen, das im Aufbau und in der Form neue Wege geht. Im Aufbau ist er analytisch – er geht den Fragen auf den Grund. In der Form der Fragestellung ist er seiner Entstehungszeit in pädagogischer Weise weit voraus; mit der kritischen Instanz der Prüfung der bibelbezogenen Aussagen leitet er an zu selbstständigem Denken. Er will die elementaren Fragen der menschlichen Existenz (Vom Elend- von der Erlösung- von der Dankbarkeit) mit den Grundaussagen des christlichen Glaubens verknüpfen.
Diese Aufgabe stellt sich für heutige Menschen in gleicher Weise. Insofern ist dieses alte Buch immer noch ein herausforderndes, zu eigenem Nachdenken anregendes Werk.



© Evangelische Akademie Arnsberg