Rückblick 2014

Von der Kriegserfahrung zum Kriegsgedenken

Deutsche, Briten und Franzosen und der Erste Weltkrieg


I
m Rahmen der Vortragsreihe „1914 – 1939 – 2014: Spuren der Kriege – Erinnerungen und neue Hoffnungen“

Freitag, 21. 11. 2014, 19.00 Uhr, Rittersaal, Arnsberg

Rückblick

1914- 1918: Von der Kriegserfahrung zum Kriegsgedenken

Der Rittersaal im Alten Rathaus Arnsberg bietet eine angenehme Atmosphäre für einen Vortragsabend, der historisches Nachdenken zum Thema hat. So war er denn gut gefüllt, als Dr. Wencke Meteling von der Universität Marburg das Gedenken des 1. Weltkriegs in Frankreich, England und Deutschland erläuterte. Ihre eigenen Erlebnisse und Erfahrungen, die sie dort im Zusammenhang ihrer akademischen Laufbahn machen konnte, machten dies zugleich lebendig, tiefgründig und anschaulich.

In diesen beteiligten Ländern wird in sehr unterschiedlicher Weise auf den 1. Weltkrieg zurück geblickt. In Deutschland überlagert die Erinnerung an den folgenden Krieg das angemessene Gedenken des Ersten. Zu oft wurde in revisionistischer Absicht die Auseinandersetzung gesucht und die Erinnerung in unguter Weise instrumentalisiert. Die Debatte um die Kriegsschuld ist hier jüngst wieder lebhaft aufgetaucht. So gab es lange keine zentralen Orte, Personen oder Rituale, die dem Gedenken gerecht wurden. Anders in Frankreich: dort gibt es das Grab des Unbekannten Soldaten am Arc de Triomphe in Paris, in Verdun ist eine große Gedenkstatte gebaut. Die emotionale Verflechtung dort bringt ein hohes Maß an Pathos mit sich, und ist wichtig für die nationale Identität. Den Veteranen wird sehr viel Achtung entgegen gebracht; umso wichtiger ist es, dass auch die Opfer der Militärgerichte in Frankreich rehabilitiert wurden. In England wurde in diesem Jahr mit einem Blütenmeer an Mohnblumen der Gefallenen gedacht. Insgesamt ist jedoch in England eine ironischere, distanzierte Haltung zum 1. Weltkrieg zu beobachten. „Er war tragisch, aber nutzlos“, so lautet ein Resumee.

Umso wichtiger ist im Europa, das zusammenwächst, die Aufarbeitung der gemeinsamen (Unglücks-)Geschichte. Sie ist ein Baustein zur europäischen Integration verschiedener Nationen. Die Versöhnungsgeste von Kohl und Mitterand in Verdun kann dieses Bestreben ausdrücken.

Mit dieser Veranstaltung fand die gemeinsame Veranstaltungsreihe von VHS, Kulturbüro, Kath. Bildungswerk und Ev. Akademie seinen eindrucksvollen Abschluss.

Rückblick

„Ökumene im Dialog“

An zwei Abenden bot die Evangelische Akademie das Forum für Veranstaltungen im Dialog. Die beiden Geistlichen der großen Kirchen, Propst Hubertus Böttcher und Johannes Böhnke, M.A., sind zum Dialog miteinander fähig und bereit. Ein großes Glück für die Ökumene in Arnsberg!

Zumal es bei dieser Doppelveranstaltung um ein Thema ging, das voller Brisanz und Kontroversen steckt: „Pfarrer, Priester und Pastor (-in). Zum Verständnis des Amtes in den Kirchen“. Beide Geistlichen wichen den Kontroversen nicht aus, sondern beleuchteten die unterschiedlichen Standpunkte eindeutig und klar. Das Spektrum der Themen war weit gefasst: Frauen als Priester/Pfarrerin; die Besonderheit von Priester und Pfarrer auf der Basis des gemeinsamen Auftrags aller Christen, Auswirkungen auf die Praxis. So wurde deutlich, was Christen verbindet, aber auch was (noch) trennt. In weiten Teilen beriefen sich sowohl Böttcher als auch Böhnke auf die unterschiedlichen Traditionen der jeweiligen Kirchen. Dabei wagte Hubertus Böttcher auch einen Ausblick: „Was in vielen Jahrhunderten der Tradition in unserer Kirche sich herausgebildet hat, ist gegenwärtig das Ergebnis einer langen Entwicklung. Das heißt aber auch nicht, dass diese Entwicklung stehen bleiben müsste.“ Ein verheißungsvoller Ausblick, der anregt, diese Gesprächsreihe der Ev. Akademie fortzusetzen.

Bibelseminar 2014

Jesus Christus – für uns gestorben.
Der Sinn des Sterbens Jesu: zur Sühne, als Sühn-Opfer oder schlicht: für uns?

Pfr. i.R. Volker Horstmeier Donnerstags, 28.10., 04.11. und 11.11.2014, 19.00 Uhr Gemeindehaus Erlöserkirche

Rückblick Bibelseminar 2014:

„Jesus Christus- für uns gestorben“

„Das war recht anspruchsvoll!“, meinten die Teilnehmenden des Bibelseminars 2014 der Ev. Akademie. An drei Abenden beschäftigten sie sich mit dem Thema Bedeutung und Deutungen des Todes Jesu. Von den Anfängen an gibt es ganz unterschiedliche Sichtweisen: ablehnend wie die älteste Kreidezeichnung oder aufschauend, um die eigene Perspektive und Standort deutlich zu machen.



Deutlich war: Schlüssel zum Verständnis des Todes Jesu ist die Erfahrung seiner Auferstehung. Von daher gewinnt man Zugang, um das eigene Verständnis zu entwickeln.

Im Laufe des Bibelseminars wurden die frühen Deutungen im Rückgriff auf Texte aus der Hebräischen Bibel wie das Gottesknechtslied oder Psalm 22 aufgenommen. Die alte Theorie des Sühnopfertodes Jesu von Anslem von Canterbury und die jüngste lebhafte Diskussion darüber, die durch eine Andacht im Radio ausgelöst wurde, wurden behandelt. Die neutestamentlichen Positionen von Paulus, aber auch die des Hebräerbriefs und des Johannesevangeliums wurden dargelegt. In intensiver, nachdenklicher Weise bearbeiteten die Teilnehmenden diese zentrale Frage des christlichen Glaubens. „Da haben wir eine Menge mitbekommen. Da gibt es einiges zu verdauen!“, lautete das positive Fazit .

Im nächsten Jahr wird die Ev. Akademie Arnsberg wieder ein Bibelseminar anbieten. (Ende September) Vielleicht wird das dann leichter, aber nicht weniger spannend

"Hört mich keiner?"

Telefonseelsorge - auch ein gemeinsames Angebot von Kirche

Kerstin Pasch
, Meschede, Dipl.Soz. und Ehe-,Familien-, und Lebensberaterin, Leiterin der Telefonseelsorge Hochsauerland

Michael Hillenkamp, Diözesanbeauftragter Telefonseelsorge

Montag, 27.10.2014, 19.30 Uhr Kath. Bildungswerk Liebfrauen, Hellefelder Str.

Kerstin Pasch, Meschede

Rückblick "Hört mich keiner?"- Telefonseelsorge

Telefonseelsorge geschieht in ökumenischer Trägerschaft und Verantwortung. Dementsprechend waren von beiden Kirchen Verantwortliche da, um über Telefonseelsorge zu sprechen: Kerstin Pasch, Leiterin der Telefonseelsorge Hochsauerland von der Ehe-, Familien-, und Lebensberatung im Diakonischen Werk Ruhr – Hellweg, und Michael Hillenkamp, Diözesanbeauftragter Telefonseelsorge aus Dortmund. Beide trugen zu Beginn einen Dialog aus der Arbeit der Telefonseelsorge vor, der deutlich machte, warum dieses kirchliche Arbeitsfeld wichtig ist. „Wenn man einen braucht, ist keiner da!“, meinte die Anruferin, die- wie alle- anonym ihre Sorgen los werden und teilen können. So lautet dann auch das Motto der gemeinsamen Telefonseelsorge: Sorgen kann man teilen.

Die Telefonseelsorge hat ein offenes Ohr für alle. Die Anrufe, um isch sorgen von der Seele zu reden, sind kostenfrei – dank der Unterstützung durch die Telekom. Die Telefonseelsorge geschieht durch ehrenamtlich Mitarbeitende, die zuvor intensiv geschult werden und während ihrer Mitarbeit kontinuierlich betreut und begleitet werden.

Im Hochsauerland ist die ökumenische Telefonseelsorge erreichbar von Montag- Freitag von 9- 24 Uhr. Jährlich gehen hier etwa 7.000 Anrufe ein. Auch hier werden gerne noch Menschen gebraucht, die bereit sind, mit Einfühlungsvermögen und Verständnis diese wichtige Aufgabe der Kirche zu übernehmen und das Team der ca. 40 Telefonseelsorgenden zu unterstützen. Kosten entstehen für die Teilnehmer der Ausbildung nicht, aber die Verpflichtung zur Mitarbeit am Telefon nach der Ausbildung ist unabdingbar.
Auskunft bei Rückfragen: Telefon 0291/2900-150 und 2900-152.

"Ökumene im Dialog"

Pfarrer. Priester und Pastor-(in)

– Zum Verständnis und Bedeutung des Amtes in der Kirche

Propst Hubertus Böttcher und Pfr. Johannes Böhnke, M.A.

18. September 2014, 19.00 Uhr, Kapitelsaal Wedinghausen
und
25. September 2014, 19.00 Uhr , Auferstehungskirche, Neumarkt

Rückblick Ökumene im Dialog

An zwei Abenden bot die Evangelische Akademie das Forum für Veranstaltungen im Dialog. Die beiden Geistlichen der großen Kirchen, Propst Hubertus Böttcher und Johannes Böhnke, M.A., sind zum Dialog miteinander fähig und bereit. Ein großes Glück für die Ökumene in Arnsberg!

Zumal es bei dieser Doppelveranstaltung um ein Thema ging, das voller Brisanz und Kontroversen steckt: „Pfarrer, Priester und Pastor (-in). Zum Verständnis des Amtes in den Kirchen“. Beide Geistlichen wichen den Kontroversen nicht aus, sondern beleuchteten die unterschiedlichen Standpunkte eindeutig und klar. Das Spektrum der Themen war weit gefasst: Frauen als Priester/Pfarrerin; die Besonderheit von Priester und Pfarrer auf der Basis des gemeinsamen Auftrags aller Christen, Auswirkungen auf die Praxis. So wurde deutlich, was Christen verbindet, aber auch was (noch) trennt. In weiten Teilen beriefen sich sowohl Böttcher als auch Böhnke auf die unterschiedlichen Traditionen der jeweiligen Kirchen. Dabei wagte Hubertus Böttcher auch einen Ausblick: „Was in vielen Jahrhunderten der Tradition in unserer Kirche sich herausgebildet hat, ist gegenwärtig das Ergebnis einer langen Entwicklung. Das heißt aber auch nicht, dass diese Entwicklung stehen bleiben müsste.“ Ein verheißungsvoller Ausblick, der anregt, diese Gesprächsreihe der Ev. Akademie fortzusetzen.

"Mein Gott, was haben wir alles gemacht!"

80 Jahre Theologinnen in Westfalen

Ausstellung des Frauenreferats der Ev. Kirche von Westfalen

16.07. – 06.08.2014 in der Auferstehungskirche Arnsberg

Einführung: Sabine Haussner, Pfarrerin i.R.,

Donnerstag, 17. Juli 2014, 17.00 Uhr Auferstehungskirche; Neumarkt

Rückblick 80 Jahre Theologinnen in Westfalen


Pfarrerinnen mit Herz und Verstand

Eröffnung der Ausstellung über 80 Frauenjahre in der Ev. Kirche von Westfalen

Bis zum vierten August kann in der Auferstehungskirche am Arnsberger Neumarkt die Geschichte der Theologinnen in der Evangelischen Kirche von Westfalen auf zehn Plakaten und einigen geschichtsträchtigen Dokumenten besichtigt werden. Zur Eröffnung der Ausstellung führte Volker Horstmeier, Vorsitzender der Ev. Akademie, am 18. Juli ein Gespräch mit Pfarrerin i. R. Sabine Haussner, 1959 die erste Theologin im Kirchenkreis Arnsberg.

Mühsam aber geschwisterlich
Der Weg der Theologinnen zur Pfarrerin, die den Männern gleichgestellt sind, spiegelt die gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland wider. Frauen durften entsprechend dem preußischem Beamtenrecht erst seit 1908 Theologie studieren, bis 1927 allerdings ohne Abschlussexamen. In den 30-er-Jahren durften sie nach dem Examen als Vikarinnen, eine Amtsbezeichnung, die die Männer nur während der praktischen Ausbildung, die Frauen aber über den Abschluss hinaus trugen, in den Kirchengemeinden mit weniger Gehalt und mit eingeschränktem Auftrag mitarbeiten. 1934 gründete die erste Generation der berufstätigen Theologinnen in Westfalen den Theologinnen-Konvent. Er sollte die Kontakte unter den Frauen und ihre Position gegenüber der Kirchenleitung festigen. „Wir konnten uns in die Betten legen, die die Vorgängerinnen uns gemacht haben“, erinnert sich Sabine Haussner. Sie gehört zur dritten Generation von Theologinnen, deren Angehörige größtenteils auf Funktionsstellen arbeiteten, die sie selbst prägen konnten. Unter den Kolleginnen sei es anders zugegangen als mit den Männern. „Auf den Konferenzen mit den Pfarrern hat jeder immer erzählt, was er Gutes und Tolles gemacht hatte.“ Sie habe sich da manchmal ganz klein gefühlt. Nicht so unter den Frauen: „Wir haben uns von den Schwierigkeiten erzählt und uns geholfen. Wir waren geschwisterlich.“

Frauenleid durch Männerrecht
Von der Missachtung durch männliche Kollegen kann sie viele Geschichten erzählen. Die Kreissynode Arnsberg lehnte 1964 das Pastorinnengesetz ab, das den Theologinnen ganze Stellen und gleiches Gehalt zusicherte. Bis 1974 allerdings galt in Westfalen weiter das preußische Beamtenrecht, das Frauen vom Beruf ausschloss, sobald sie heirateten.
Sabine Hausner sagt heute trotzdem: „Es war alles gut in meinem Leben.“ Sie war und ist begeistert Theologin und Pfarrerin und blieb immer ihrem Anliegen verpflichtet, Freude am theologischen Denken und Vertrauen in Gott zu vermitteln. „Es gab auch Kolleginnen, die unter dem Zwangszölibat litten“, gibt sie zu. Die Argumente gegen Frauen im Pfarramt hätten oft unter die Gürtellinie gezielt. „Das hat seelische Klumpenbildung bei machen Frauen bewirkt, viele haben tiefe Verletzungen davon getragen haben.“

Katholische Theologinnen ermutigen
In den 90-er Jahren gab es auch Auseinandersetzungen unter den Theologinnen. Die Jungen fühlten sich von den Älteren missverstanden, diese fühlten sich nicht mehr gebraucht. Ein zweiter Theologinnenverband gründete sich. Erst zehn Jahre später schlossen sie sich zusammen. Dass es bisher nur in protestantischen Kirchen ordinierte Pfarrerinnen gäbe, nahm Horstmeier zum Anlass, die Ruheständlerin zu fragen, was sie den katholischen Theologinnen wünsche: „Bleibt im Gespräch, habt Geduld. Und habt Mut Thomas von Aquin zu folgen, für den der Christ die Pflicht hat, dem Gewissen zu folgen, auch wenn das Kirchenrecht dem widerspricht.“

Die Ausstellung kann besichtigt werden zu den Öffnungszeiten der Auferstehungskirche, Arnsberg, Neumarkt: Mi, Do, Fr 10.00-12.00 und 15.00-17.00 Uhr

Prof. Dr.Dr. h.c. Wolfgang Huber

Prof. Dr.Dr. h.c. Wolfgang Huber


Der ehemalige Ratsvorsitzende der EKD, Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber, wird einen Abend in Arnsberg gestalten. Der Ev. Akademie ist es gelungen, mit ihm eine der profiliertesten Persönlichkeiten des deutschen Protestantismus nach Arnsberg einzuladen. Am Mittwoch, den 11. Juni 2014 wird er in der Auferstehungskirche zu Fragen der Wirtschaftsethik sprechen. Diese Veranstaltung wird unterstützt durch den Ev. Kirchenkreis, der in dem Jahr sein 50. Jubiläum feiern wird.

Wachsende Wirtschaft und zunehmende Gerechtigkeit?! – Wenn Unternehmen Verantwortung übernehmen

Die Auswirkungen der Globalisierung der Wirtschaft, die Finanzkrise in Europa, die Sorge um Nachhaltigkeit, um Arbeitsplatz und Wirtschaftsmarkt kennzeichnen Herausforderungen, denen wir uns zu stellen haben.
Gleichzeitig werden Fragen aufgeworfen: nach welchen ethischen Grundsätzen richten sich Entscheidungen zu Wirtschaftsfragen –im Großen wie im Kleinen: zwischen wertvollen Waren und wahren Werten? Wie sieht es aus, wenn Unternehmen Verantwortung übernehmen? Welche Folgen ergeben sich für den gesellschaftlichen Wandel?

Diesen und weiteren wirtschaftsethischen Fragen geht Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber, von 2003 bis 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, auf den Grund.



Kirchenkreis Arnsberg
Öffentlichkeitsarbeit


Pressemeldung
13. Juni 2014

Ev. Akademie Arnsberg
Für moralisches Handeln in der Wirtschaft

Sozialethiker und ehemaliger Bischof Wolfgang Huber plädiert für Wirtschaft, die Gerechtigkeit fördert.
Arnsberg, 11. Juni 2014. Die Evangelische Akademie Arnsberg ist die kleinste in Deutschland und ganz in ehrenamtlicher Hand. Trotzdem hat sie in der zweiten Juni-Woche große Gäste eingeladen: Den ehemaligen Berliner Bischof und Ratsvorsitzenden der Ev. Kirche in Deutschland Prof. Dr. Wolfgang Huber, Politiker Friedrich Merz und sieben Schülerinnen und Schüler aus Religions-und Philosophiekursen des Arnsberger Gymnasiums Laurentianum mit ihrem Lehrer Fritz Timmermann. Ermöglicht wurde die Veranstaltung durch die Unterstützung der Volksbank Sauerland und des Unternehmensverbands Westfalen-Mitte.

Der Geschäftsführer des Unternehmensverbandes, Dr. Volker Verch, führte ins Thema ein: „Wachstum der Wirtschaft und wachsende Gerechtigkeit?!“ Er beschrieb das mittelständische Unternehmertum im Sauerland als der sozialen Marktwirtschaft verpflichtet. Gewinne würden nicht in Luxuskäufe sondern in die Firma und für die Aus-und Weiterbildung der Beschäftigten investiert. Das Engagement der Mitarbeiter sei hoch, viele blieben den Betrieben ein ganzes Arbeitsleben verbunden. Familienfreundlichkeit und kulturelles Engagement in der Region werden in den heimischen Betrieben groß geschrieben. Er stellte klar, dass Gewinne keineswegs moralisch verwerflich seien: „Wirtschaftlicher Erfolg ist die Voraussetzung dafür, dass ein Unternehmen Arbeitsplätze schaffen und langfristig sichern sowie in Ausbildung und Innovationen investieren kann.“

Huber folgte Verch in der Grundannahme, dass Wirtschaft und Gerechtigkeit sich nicht ausschließen müssen. Seit 2008 stimme auch die evangelische Kirche in Deutschland der sozialen Marktwirtschaft zu. Problematisch heute ist in Hubers Augen das Wirtschaftswachstum, das global mit einer wachsenden Schere zwischen Armen und Reichen einhergeht. Gründe sieht er in der Verselbständigung des Finanzmarkts und der überzogenen Bedeutung des Shareholdervalues, also einer Unternehmensstrategie, die den Gewinn mit Erfolg gleichsetzt. „Selbst Treue und Dankbarkeit, also nicht zu bezahlende Werte, werden heute schon mit Geld belohnt.“ Huber fordert von mittelständischen und börsennotierten Unternehmen, dass sie sich auf moralische Kategorien einigen und danach handeln. So erwerben sie sich Vertrauen. „Vertrauen ist genauso wichtig wie Kapital.“ Auch Kunden legt er moralisches Handeln nahe: In genossenschaftlichen Banken oder im Wohnungsbau sieht er Perspektiven für die Zukunft, in ethischem Investment und in einer Ökonomie des Teilens.

Friedrich Merz stimmte Hubers Ansätzen zu. Er betonte die Bedeutung der Chancengerechtigkeit und forderte, dass private und staatliche Altersversorgung ergänzt werden müssten durch Aktenbeteiligung für Mitarbeitende.
Höhepunkt des Abends waren die Schülerinnen und Schüler, die präzise ethische Fragen für den Professor vorbereitet hatten und sich dabei an seinen Lebensstationen orientiert hatten: Wieso Ethik sein Lebensthema wurde, warum er von der Universität in die Praxis als Bischof gewechselt sei, was er von Präimplantationsdiagnostik und aktiver Sterbehilfe halte. Persönlich bewegt stellte sich Huber den Fragen der Jugendlichen, die nach dem Vortrag Rückmeldungen aus dem Publikum charmant und angemessen zusammengefasst dem Referenten weiterleiteten.
Volker Horstmeier, Vorsitzender der Evangelischen Akademie Arnsberg, bedankte sich zum Schluss bei allen Beteiligten: „Dieser Abend hat den Protestanten im Sauerland gut getan.“

BU:
1-Volker Verch, Friedrich Merz, Wolfgang Huber, Volker Horstmeier im Garten der Auferstehungskirche
2-Wolfgang Huber beantwortet die Fragen der Schüler und Schülerinnen
3-Alle Aktiven des anregenden Abend zur Frage nach Moral in der Wirtschaft
4- Wolfgang Huber als Redner in der Auferstehungskirche


Stimmen und Reaktionen zur Veranstaltung mit Wolfgang Huber

„Wirtschaft und Gerechtigkeit“


Lieber Herr Horstmeier,

im Anschluss an die herausragende Veranstaltung habe ich noch mehrfach in verschiedenen Runden von der inhaltlichen und sprachlichen Präzision begeistert geschwärmt, mit der Prof. Huber nicht nur wirtschaftsethische Horizonterweiterungen bei mir und vermutlich bei vielen Zuhörerinnen und Zuhörern ermöglicht hat. Mir scheint, dass unsere Schülerinnen und Schüler auf ihre Weise die Veranstaltung bereichert und auch Herrn Huber erfrischt haben.

Für die sehr gute Zusammenarbeit mit Ihnen, für Ihre Ideen, Ihre inhaltliche Vorbereitung, Ihre Vermittlung im Klassenraum bedanke ich mich bei Ihnen sehr herzlich! Und ich würde mich sehr freuen, wenn Sie wieder einmal auf mich, auf uns am Laurentianum mit einer ähnlichen Idee zukämen.

Herzliche Grüße,
Fritz M. Timmermann


Lieber Herr Pfr. Horstmeier!

Herzlichen Dank noch einmal für den herausragenden Abend gestern mit den Vorträgen von Prof. Huber, Friedrich Merz und Dr. Verch, die gleichzeitig so gehaltvoll und anregend waren.
Auch methodisch ist Ihnen mit der Einbindung der Laurentianer ein Glücksgriff gelungen! So eine Herausforderung kann Schule nicht aus sich selbst heraus bereitstellen.

Erst im Nachgang wurde mir klar, dass Sie mit der Veranstaltung die Arnsberger Bürgerschaft gleichzeitig mit vier gesellschaftlichen Kräften in Berührung gebracht haben: Kirche, Politik, Wirtschaft und Schule. Einfach genial!

Herzliche Grüße und weiter viel Erfolg für Ihre Arbeit
Hubertus v. Stein



Biographische Befragung- Fragestellungen der Schülerinnen und Schüler:

Warum Sozialethik?
Blicken wir einmal ganz an den Anfang Ihrer Karriere zurück. Sie haben sich 1972 habilitiert und dabei den Schwerpunkt auf Kirche und Soziales gelegt. Später haben Sie dann als Professor für Ev. Sozialethik in Marburg, Heidelberg und Berlin unterrichtet. Was hat Sie dazu bewogen, sich für die Sozialethik zu interessieren?
Inwiefern ist moralisches Handeln in der heutigen Gesellschaft nach den Grundsätzen, über die sich beispielsweise schon Kant Gedanken machte, überhaupt noch möglich?
Felix Bruchhage

Kirchentag und politische Verantwortung der Kirchen
(im Kontext Deutscher Evangelischer Kirchentag; Präsident 1985 und Mitglied des Präsidiums; Kirchentag 1987 Frankfurt mit dem Thema Apartheid)
Zu bestimmten Anlässen – wie Apartheid in Südafrika- muss Kirche auch politisch Stellung nehmen. Wie weit kann Kirche dabei gehen und Einfluss nehmen? Welche Bedeutung haben ethisch korrekte Investitionen und Geldanlagen?
(Alexander Kurzius )

Südafrika
Eigentlich wollte ich fragen, inwiefern Herr Huber sich zur Zeit der Versöhnung nach der Apartheid in Südafrika engagiert hat. Da er darauf aber indirekt schon in den Antworten davor zu sprechen kam, habe ich gefragt, wie er sich heute in Südafrika engagiert und wie der heute die Rolle der Kirche dort sieht.
(Marie Mohr )

Universität und Kirchenleitung; Theorie und Praxis:
Sie waren zunächst als Professor für Sozialethik in Marburg, Heidelberg und Berlin tätig und wechselten dann als Bischof zur Leitung einer evangelischen Landeskirche nach Berlin. Was hat Sie zu dieser Entwicklung bewogen und welche Herausforderungen wurden an Sie gestellt?
(Maik Schauerte )

Frieden:
Die Friedensdiskussion war lange Zeit ein beherrschendes Thema in der evangelischen Sozialethik. Deutschland ist heute weltweit eine der führenden Nationen beim Export von Waffen. Wie verhält sich die evangelische Kirche zu Waffenexporten?
(Johann Karatjew)

Präimplantationsdiagnostik:
(Im Kontext der Mitwirkung im Nationalen Ethikrat, den die Bundesregierung einberufen hat)
Während die Präimplantationsdiagnostik in der Schweiz und in Österreich komplett verboten ist und es in den USA keine konkreten Regeln gibt, ist in Deutschland beispielsweise nur die Diagnostik von Erbkrankheiten erlaubt. Wie stehen Sie zur PID und sind Sie zufrieden mit dieser Regelung?
(Magdalena Appelhans)

Sterbehilfe
In der Präambel der ethischen Grundsätze steht: „ Jeder Mensch hat das Recht auf Selbstbestimmung bis zum letzten Atemzug.“ Herr Huber, wie Stehen Sie zum Thema der aktiven Sterbehilfe und wo sind da die Grenzen?
(Hannah Wolf)

Eindrücke, Reaktionen und Rückfragen aus dem Publikum:
Was will er den Zuhörern mit auf den Weg geben? (z. B. einen Tipp, wie sie sich moralisch verhalten könnten)
Ob er eine kleine Zusammenfassung geben könnte, da viele das Gefühl hätten, dass sie sonst das Wichtigste vergessen würden.
Wie verhält sich Gerechtigkeit und Gleichheit zueinander?
Im Publikum kam oft die Anmerkung, dass es sich bei dem vortrag um ziemlich harte Kost gehandelt habe. Eine Dame war jedoch der Auffassung, dass Sie, vor allem, als Sie auf das Elend in der Welt zu sprechen kamen, noch zu weich argumentiert hätten. Vor allem vor dem Hintergrund der Botschaft Christi hätte für stärkere Veränderungen plädiert werden müssen.

Pfr. Friedrich Laker



Tiere gehören seit Urzeit zur Kulturgeschichte des Menschen. Sie begleiten den Menschen in seiner Entwicklung in Haus und Hof, sind wichtig für seine Ernährung und Versorgung. Andererseits lebte der Mensch ständig auch in Auseinandersetzung mit –wilden!- Tieren.

In unserer Zeit bedrohen veränderte Lebensbedingungen Mensch und Tier. Durch die Eingriffe des Menschen in die Umwelt sterben ganze Arten von Tieren aus. Die Massentierhaltung moderner Fleischerzeuger ist wenig artgerecht. Aber es gibt auch Engagement im Tierschutz. Mitunter werden Haus-Tiere verhätschelt und mit menschlichen Zügen ausgestattet.

Tiere sind uns Menschen jedoch nicht als Verwertungsobjekte zur Verfügung gestellt. Sie sind mit uns Teil der Schöpfung Gottes. In welche Weise kann die biblische Sicht helfen, Tiere in ihrer Kreatürlichkeit wahrzunehmen? Welche Konsequenzen können sich aus diesem Verständnis ergeben?

Pfr. Friedrich Laker aus Dortmund war Initiator des „1. Kirchentags für Mensch und Tier“ in 2010. Er wird uns in die Problematik einführen und Möglichkeiten des schöpfungsgerechten Umgangs mit Tieren aufzeigen.


Pfarrer Friedrich Laker mit seinem Hund Amadeus


Referent: Pfr. Friedrich Laker, Dortmund

Donnerstag, 06.02.2014, 19.00 Uhr, Peter- Prinz-Bildungshaus, Ehmsenstr. 7


Rückblick Achtung (für)Tiere! Auf dem Weg zu einer Kultur der Mitgeschöpflichkeit

Vortrag am 06. Februar 2014

Die Evangelische Akademie konnte Pfr. Friedrich Laker aus Dortmund und interessierte Zuhörerinnen zu einem aufschlussreichen Vortrag begrüßen: „Achtung für Tiere!“.

Laker, Pfarrer an der Pauluskirche in Dortmund und Initiator des Kirchentags für Mensch und Tier, warb dafür, Tiere als Geschöpfe Gottes zu verstehen und die Achtung zu geben, die ihnen als Mit-Geschöpfen zukommt. Er beleuchtete die Beziehung zwischen Mensch und Tier imLaufe der Zivilisationsgeschichte des Menschen. Einen weiten Bogen konnte er ziehen von den ersten Opferriten bis zu aktuellen Einsichten der Theologie, bei denen der Opfertod eine fragwürdige Rolle spielt. So verstand er es, in engagierter Weise für eine Weiterentwicklung der Theologie zu werben. Sie wird die Mitgeschöpflichkeit der Tiere, die zwar in der Präambel des Tierschutzgesetzes verankert ist, aber noch, auch in der Praxis der Kirchen noch längst nicht umgesetzt ist, berücksichtigen und würdigen. Solche Einsichten, die in der Maxime Albert Schweitzers gipfeln „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will“, erkennen die Bedeutung der Tiere an, die größer ist als die Spanne zwischen Schlachtvieh und Versuchskaninchen.

Abschließend macht Friedrich Laker aufmerksam auf praktische Konsequenzen für Kirchengemeinden und lud ein zum nächsten Kirchentag für Mensch und Tier am 22. August in Dortmund.

© Evangelische Akademie Arnsberg