Rückblick 2016

Bürgermeister Hans-Josef Vogel

Grußwort des Bürgermeisters

Grüßwort des Bürgermeisters

Ökumenisches Bibelseminar 2016

Ruth im Feld des Boaz, Gemälde von Julius Schnorr von Carolsfeld, 1828

In der Fremde – gefährdet und geborgen

Das Buch Rut

Die biblische Tradition bewahrt die Erinnerung an die eigene Ursprungssituation: Flüchtlinge war das Volk Gottes und Fremde. Das findet Niederschlag in einer Vielzahl von Geboten, in besonderem Respekt im Umgang mit Fremden. Erzählerisch wird das Schicksal von Flüchtlingen im kleinen Buch Rut dargelegt, aus der Sicht von Frauen, die es bei der Flucht meist besonders schwer haben.

Aus ferner Zeit, mit ihren manchmal fremden Gewohnheiten, kommen uns die Gestalten dieser Geschichte nahe: Rut, aus der Fremde gekommen, ihre Schwiegermutter Noomi, und Boas, der für das Gottesrecht einsteht. Ausgangspunkt ist die Flucht aus wirtschaftlicher Not – auch das kennen wir heute und nennen es „Wirtschaftsflüchtlinge“. Die Anpassung an Sitten, Gebräuche des aufnehmenden Landes und die Beibehaltung der eigenen kulturellen Identität – auch das sind Themen, die uns bei unserer gegenwärtigen Herausforderung begegnen. Eine alte Geschichte also und doch überraschend gegenwärtig. Das Buch Rut erzählt davon, wie sie Schutz und Freundschaft finden, wie sie Heimat in der Fremde finden und Vertrauen zu Gott.

Die ungewöhnliche Geschichte einer ungewöhnlichen Frau, die zur Ahnmutter Jesu wird.

Pfr. i.R. Volker Horstmeier

Donnerstag, 27.10.2016
Donnerstag, 03.11.2016
Donnerstag, 10.11.2016

jeweils 17.00 Uhr im Pfarrsaal des Gemeindezentrums Liebfrauen, Hellefelder Str.

Wir arbeiten zusammen

Rückblick Bibelseminar 2016

An drei Abenden versammelten sich 15- 20 interessierte Männer und Frauen im Pfarrsaal der Kath. Liebfrauengemeinde zum ökumenischen Bibelseminar, um gemeinsam in die Bibel zu gucken, Entdeckungen zu machen, Fragen zu klären. Diesmal sollte ein gesamtes biblisches Buch untersucht werden, das Buch Rut.

Damit wurde der Vortrag von Prof. Ebach „Flüchtlinge und Fremde in der Bibel“ aufgegriffen und an einer Stelle vertieft. So deutlich wie kaum sonst ist in der Bibel, wird hier das Schicksal von Menschen in den Mittelpunkt gerückt, die in der Fremde leben und aus ihrer Heimat geflüchtet sind. Hier wird nicht anonym über ein Problem verhandelt, sondern anhand von Lebensschicksalen verdeutlicht, was Migration -im Buch Rut geht es um Menschen, die wir heute abschätzig Wirtschaftsflüchtlinge nennen würden- auslöst und bedeutet.

Weiterhin war der sozialgeschichtliche Hintergrund der Entstehungsgeschichte dieses Buches aufschlussreich. Es beinhaltet ja keine Familiensaga, die noch mal gut mit happy-end ausgeht, sondern bezieht narrativ eindeutig Stellung. Es entstand im Zeitalter der Rekonstruktion Israels nach dem Exil. Damals ging es auch um den Umgang mit Andersartigen und Fremden im Land. In dieser Erzählung wird mit erzählerischen Mitteln Partei ergriffen für die Schwachen und Ohnmächtigen, im Gegensatz zur herrschenden (Männer-)Schicht, die mit Verboten und Gesetzen agiert.

Am dritten Abend stand die Rolle der Frau im Vordergrund. Damals waren Frauen, zumal Witwen, sozial unabgesichert, an den Rand gedrängt und unterdrückt. In diesem Buch der Bibel spielen jedoch Frauen die Hauptrolle! Das allein ist in der patriarchalisch gegliederten Gesellschaft von damals schon ziemlich aufsehenerregend. Dazu stellen sich die Frauen mit Einfallsreichtum und Mut der Herausforderung des Überlebens und der sozialen Anerkennung. Mitunter wird das auch mit einem Augenzwinkern erzählt.

Insgesamt stellten alle drei Aspekte des Buches Rut den Teilnehmenden ungeahnt aktuelle Problemstellungen vor Augen. Die Erkenntnisse aus den drei Abenden waren dann auch etwas überraschend. „Das hätte ich nicht gedacht!“, meinte eine Teilnehmerin zum Schluss.

Veranstaltungen zum Gedenken des 09. November 1938

Die Ev. Akademie Arnsberg ist Mitglied in der Veranstaltergemeinschaft, die jedes Jahr Veranstaltungen zum Gedenken des 09. November 1938 durchführt. Nachdem im vergangen Jahr durch den Chor „Bat Kol David“ die musikalische Seite zum Klingen gebracht wurde, soll es in diesem Jahr die visuelle sein. Dazu eignet sich nichts besser als Bilder von Marc Chagall.

Eine Ausstellung von Original- Lithographien Chagalls zur Bibel wird zu sehen sein in der Zeit vom Sonntag, 30. Oktober- Sonntag, 13. November 2016 in der Ehem. Synagoge in Neheim. Die Ausstellung wird durch den Bürgermeister eröffnet werden.

Marc Chagall im Juli 1941

(Fotografie von Carl van Vechten, aus der Van Vechten Collection der Library of Congress)

Das Judentum durch die Bilder Chagall erläutert

Ganz sicher gehört Marc Chagall zu den beliebtesten Malern des 20. Jahrhunderts, und gerade in der christlichen Welt sind seine Bildwerke zur Bibel sehr beachtet worden. Seine Glasfenster erleuchten mehr Kirchen als Synagogen. Wer wie Chagall in Farben und Linien von Gott und Mensch erzählen kann, findet offene Augen und Herzen bei vielen Menschen; auch bei denjenigen, die sich nicht mit einer bestimmten Religion oder Konfession identifizieren.
Umso wichtiger ist es, Chagalls jüdische Identität, die er niemals aufgegeben hat, aus ihrer eigenen Tiefe heraus zu beleuchten und damit den Betrachter einen verständlichen und erlebbaren Zugang zum Judentum zu öffnen. Dieser wertvollen Aufgabe wird sich den Münsteraner Rabbiners Efraim Yehoud-Desel widmen.

Referent: Efraim Yehoud-Desel, Münster

Sonntag, den 06. November 2016, 17.00 Uhr

Ehemalige Synagoge, Mendener Str. 35 Neheim (im Bedarfsfall: Christuskirche, Neheim, Burgstr. 29)

Dies ist eine Veranstaltung der Veranstaltergemeinschaft Gedenken des 09. November 1938

MARC CHAGALL - BIBLISCHE BILDER

„Seit meiner frühesten Jugend hat mich die Bibel gefesselt. Es scheint mir – und es scheint mir noch heute – die reichste poetische Quelle aller Zeiten zu sein“. (Marc Chagall)

Im Laufe seines langen Lebens (1887-1985) hat Marc Chagall eine Vielzahl von Bildern mit biblischer Thematik geschaffen.
So entstanden 1956 und 1960 Illustrationen zum Alten Testament, die als Original-Lithographien gedruckt wurden und als Bibel I und Bibel II bezeichnet werden.

Die Ausstellung in der Ehemaligen Synagoge in Arnsberg-Neheim zeigt knapp 50 Farblithographien der Bibeln I und II, auf denen die großen Gestalten und Ereignisse der jüdischen Bibel zu sehen sind.

Ort: Arnsberg, Mendener Str. 35, Ehemalige Synagoge

Zeitraum: Sonntag, der 30. Oktober - Sonntag, den 13. November 2016

Öffnungszeiten: s. Presse


Dies ist eine Veranstaltung der Veranstaltergemeinschaft Gedenken des 09. November 1938

Menschen auf der Flucht

Fremde und Flüchtlinge in der Bibel.

Quelle:Evangelisch- Reformierte Kirche, Deutschland

Das Flüchtlingsthema gehört zu den dringendsten und drängendsten Problemen Europas und Deutschlands und wird es noch lange bleiben. Ihm gilt der Vortrag und die anschließende Diskussion.

„Du sollst die Fremden nicht bedrücken!“ Kaum ein Gebot wird in der Bibel so oft und so nachdrücklich eingeschärft wie dieses. Aber nicht nur das Gebot selbst verdient Aufmerksamkeit, sondern fast mehr noch seine immer wiederkehrende Begründung. „Du sollst die Fremden nicht bedrücken, denn auch ihr wart Fremde in Ägypten.“ Israels Umgehen mit Fremden und Flüchtlingen lebt aus der Erinnerung an das eigene Geschick als Fremde und Flüchtlinge. Was könnte diese Ethik aus Erinnerung heute bedeuten? Was aus dieser Erinnerung zielt auf Wiederholung und was soll gerade nicht wiederholt werden?

Bei diesem Thema muss auch zur Sprache kommen, dass die Bibel selbst ein Buch „mit Migrationshintergrund“ ist, dass sie aus einem fremden Kulturhintergrund stammt und nicht immer schon uns gehört.

  Quelle: Ev. Kirche im Rheinland

Prof. Dr. Jürgen Ebach

Der Referent, der Alttestamentler und Theologe Jürgen Ebach, hat sich mit biblischen Dimensionen der Thematik von Fremden, Flucht und Migration in mehreren Beiträgen befasst, u.a. im 2015 in kürzester Zeit in drei Auflagen erschienenen „Kursbuch 183“ mit dem Titel „Wohin flüchten?“ und im Themenheft „Grenzgänge“ der Zeitschrift „Bibel und Kirche“ (2/2016).

Referent: Prof. Dr. Jürgen Ebach, Ruhr- Universität Bochum

Montag, den 24. Oktober 2016, 18.00 Uhr

Rittersaal, Altes Rathaus Arnsberg

Rückblick auf den Vortrag von

Prof. Dr. Jürgen Ebach

Flucht und Fremde(s) in der Bibel

Nein, eine Messehalle war das nicht, die Jürgen Ebach sonst bei Kirchentagen mit seinen Bibelarbeiten und Vorträgen füllt, aber der Rittersaal im Alten Rathaus Arnsberg war auch gut gefüllt.

Das Thema ist von bleibender Aktualität, auch wenn gegenwärtig die Ströme vieler Flüchtlinge nicht bei uns ankommen. Bei der Frage, wie wir uns Flüchtlingen gegenüber verhalten können oder sollen (Willkommenskultur vs. „Das Boot ist voll“), hilft ein Blick in die Urkunde unseres Glaubens, um Handeln zu begründen und dabei auch genauer zu differenzieren.

Zunächst gilt es, überraschende Entdeckungen zu machen. „Flüchtling“ und „Fremder“ werden in der hebräischen Bibel mit einem identischen Begriff bezeichnet. Es werden keine Unterschiede gemacht, aus welchen Gründen ein Mensch seine Heimat verlassen hat. „Nur-Wirtschaftsflüchtling“ oder „Scheinasylant“ würden im biblischen Kontext gar nicht so genannt. Es sind immer Menschen, die auf der Flucht sind. Vielmehr ist vom biblischen Hintergrund aus eine große Solidarität mit Fremden und Flüchtlingen festzustellen

Die Erinnerung an die eigene Unterdrückung und die folgende Flucht sind für das biblische Volk Israel ein bleibender Maßstab für den Umgang mit Flüchtlingen. (Dabei darf man, wie in der anschließenden Diskussion deutlich wurde, der Haltung des heutigen Staates Israel durchaus kritisch gegenüberstehen) Wie kein anderes Gebot ist das Gebot „Du sollst den Fremden nicht bedrücken“ im Alten Testament verankert und begründet ethische Normen. (Das wirft ein Licht auf die Kultur des Erinnerns an Flucht und Vertreibung in unserm Land im Hinblick auf die Frage, wie wir uns gegenüber Fremden und Flüchtlingen verhalten) Immer schon gab es aber auch eine natürliche Spannung zwischen denen, die „immer schon da waren“ (Kannan) und denen, die „entronnen“ waren und dazu kamen. In der Geschichte Europas gibt es jedoch eine Reihe gelungener Beispiele des Zusammenlebens mit ‚fremden‘ Gruppen wie Juden, wie in Andalusien oder in Amsterdam oder Köln. Auch die Bibel selbst ist ja schließlich ein Buch ‚mit Migrationshintergrund‘.

Einen weiten Bogen spannte Jürgen Ebach zu dieser Fragestellung und machte deutlich, dass der Maßstab für unser Handeln auf der Grundlage des Glaubens die Gerechtigkeit ist. „Auf dem Weg der Gerechtigkeit ist Leben“, schloss er seinen eindrücklichen Vortrag.





Wir arbeiten zusammen:


Flucht und Migration

Quelle:bw.igm.de

Vom Recht auf Mobilität und den Versuchen politischer Migrationssteuerung

Flucht und andere Formen der Migration sind essentielle Bestandteile der Menschheitsgeschichte. Der „homo migrans“ (Bade), der wandernde Mensch, hat sich von seinen afrikanischen Ursprüngen über die gesamte Welt ausgebreitet und wir können davon ausgehen, dass nicht immer nur Abenteuerlust und Entdeckergeist die treibenden Kräfte dafür waren. Von Vertreibung wird in Mythen und Erzählungen unterschiedlichster Kulturen berichtet, im christlichen Glauben steht sie prominent am Anfang von Altem und Neuen Testament.

Im Belgrader Park am Busbahnhof - auch hier gibt es Hilfe des UNHCR.Foto: Diakonie Katastrophenhilfe

So lange Flucht, Wanderschaft – aber auch Ankommen und Aufnahme – die Menschheit schon begleiten, so wird stets aufs Neue darüber nachgedacht, gestritten und entschieden, wie mit Migration umgegangen werden soll. Im Zeitalter der Nationalstaaten als grenzüberschreitende Mobilität gefasst, gibt es zwar ein durch die Charta der Vereinten Nationen verbürgtes Recht auf Auswanderung – aber kein entsprechendes Recht auf Einwanderung. Internationale Normen haben im 20. Jahrhundert ein Flüchtlingsrecht etabliert; die Bild: waronwant Umsetzung bleibt aber nationalen Regierungen mit jeweils eigenen Interessen überlassen.

So lassen sich insbesondere im vergangenen (oder noch andauernden?) „Jahrhundert der Flüchtlinge“ zahlreiche Beispiele anführen, die mal einen vorbildhaften, mal einen verurteilenswerten Umgang von Politik und Gesellschaft mit Flucht zeigen. Der Vortrag konzentriert sich dabei auf (Zwangs-)Migration in der jüngeren deutschen Geschichte, ohne zu verkennen, dass die meisten Flüchtenden weltweit in den ‚Ländern des globalen Südens‘ fliehen und Aufnahme finden.

Dr. Marcel Berlinghoff

Mittwoch, den 5. Oktober 2016, 18.00 Uhr

Ort: Rittersaal, Altes Rathaus, Alter Markt 19, Arnsberg

Referent: Dr. Marcel Berlinghoff, Universität Osnabrück

Rückblick auf die Veranstaltung:

„Flucht und Migration“

Als im Jahre 2015 eine große Zahl von Flüchtlingen unser Land und unsere Stadt erreichten -manche sprechen von einer „Welle“- war man vielerorts überrascht und handelte mitunter überstürzt. Dabei kann ein Blick zurück in die Geschichte helfen, diese Entwicklung gelassener und auch präziser zu verstehen und sich darauf einstellen.

Der Referent, Dr. Marcel Berlinghoff, ist Historiker und arbeitet an der Universität Osnabrück und dort im Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien. Er half mit seinem Vortrag, einen weiten Bogen von dieser aktuellen Problematik zu schlagen.

Denn Migration ist so alt wie die Menschheitsgeschichte. Menschen waren immer schon in Bewegung, nicht immer auf der Flucht. (Daher ist Migration ein umfassenderer Begriff als Flucht). Migration ist im Laufe der Geschichte eher der Normalfall als das Unerwartete. Allein im 19. Jahrhundert zogen 55 -60 Millionen Menschen von Europa nach Nordamerika. Durch solche örtlichen Veränderungen suchen Menschen nach positiven Veränderungen in ihrem Leben und neue Perspektiven.

Das 20. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Migration schlechthin. Dr. Berlinghoff konzentrierte sich in seinen Darlegungen auf diesen Zeitraum und auf Europa; weltweit gab es im selben Jahrhundert noch sehr viel mehr Wanderung und Flucht, wie die boat people aus Vietnam. Es gibt selbst für diesen eingegrenzten Rahmen kaum eine Vollständigkeit: aus Russland nach der Revolution, in der Zeit der Nazi-Diktatur, während und nach dem 2. Weltkrieg: riesige Ströme von Menschen waren auf der Flucht. Auch danach waren oftmals Aufstände (Ungarn, CSSR, Chile) Anstösse zur Ausreise und Flucht. Aber auch wirtschaftliche Not brachte viele Menschen in die Migration („Gastarbeiter“).

Herr Dr. Berlinghoff beschrieb die - auch halbherzigen- Versuche, die Fluchtbewegungen und Migration im 20. Jahrhundert zu steuern. Auf der Konferenz in Evian 1938 -am Vorabend des 2. Weltkrieges und bereits mitten in der Verfolgung von Juden in Deutschland- konnten sich die teilnehmenden Staaten bereits nicht auf eine unbegrenzte Aufnahme von Verfolgten verständigen. Die auch heute verwendete Argumentation „Wir haben schon zu viele aufgenommen- Das Boot ist voll“ von damals war mit der dann einsetzenden Massenvernichtung ganz und gar zynisch. Und heute? In der Genfer Konvention von 1951 wurde das Asylrecht verankert. Allerdings hatte man damals vor allem Weiße aus Europa im Blick. Wie sich das Asylrecht nun ausgestaltet, wenn Menschen aus Afrika und anderswo sich zu uns flüchten, sehen wir an den zunehmenden Einschränkungen und Beschneidungen. Dabei ist festzuhalten an dem Grundsatz: Migration ist Menschenrecht. Das forderte bereits der Missionar de la Casas im 16. Jahrhundert im Hinblick auf die Indios in Amerika.

In der anschließenden Diskussion der aufgeschlossenen und interessierten Zuhörer wurden besonders zwei Aspekte deutlich: Mittel zur Steuerung von Migration durch Zäune und Gesetze sind letztendlich wenig erfolgversprechend. Weniger Zwang und Gewalt, weniger Unterdrückung und weniger wirtschaftliche Aussichtslosigkeit helfen, dass Menschen gerne in ihren gewohnten Umgebungen bleiben und sich nicht auf die -gefährliche- Suche nach Unwägbarem machen müssen.

Die Möglichkeit der doppelten Staatsbürgerschaft wird als ein geeignetes Mittel zur Integration derer angesehen, die neu in einem Lande leben.

Die Ev. Akademie Arnsberg versucht, mit den Veranstaltungen dieser Reihe mehr Verständnis zu entwickeln für die Hintergründe der Fluchtbewegungen. Dazu war diese Veranstaltung ein gelungener Beitrag.

Wir arbeiten zusammen:


Menschen auf der Flucht

Quelle: gep

Schwierigkeiten und Möglichkeiten im Umgang mit Fremden

Gedanken zur Menschenfeindlichkeit und ihrer Hintergründe aus sozialpsychologischer und soziologischer Perspektive

Was geschieht, wenn Menschen bei uns sind, die fremd sind? Was passiert, wo Menschen andere ablehnen, in unterschiedlich heftiger Weise? Hier geht es darum, die Hintergründe für das mitunter schwierige Zusammenleben von unterschiedenen Menschen zu beleuchten.

Seit vielen Jahren beobachten wir das Ausmaß, die Entwicklung und die Ursachen von Menschenfeindlichkeit. Hierbei bestätigt sich immer wieder, dass dieses Phänomen nicht randständig ist. Im Gegenteil: menschenfeindliche Abwertungen finden in allen Teilen der Gesellschaft Zustimmung, unabhängig vom Geschlecht, Alter oder dem Bildungsgrad.

Im Vortrag wird der Frage nachgegangen, welche Erklärungen sich finden lassen, warum Menschen Vorurteile haben. Fremdenfeindlichkeit ist ein Beispiel dazu. Welche Faktoren können begreiflich machen, warum diese Feindlichkeiten trotz aller staatlichen und zivilgesellschaftlichen Engagements in der Gesellschaft kursieren und sich ständig reproduzieren? Es werden sowohl sozialpsychologische als auch soziologische Ursachen aufgeführt, um der Komplexität und Tragweite von Abwertung, Feindseligkeit und Diskriminierung gerecht zu werden.

Daniela Krause, Diplom Soziologin

Im Anschluss an die Ausführungen wird es ausreichend Zeit für Nachfragen und Diskussion geben.

Referentin: Daniela Krause, Diplom Soziologin, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld

Dienstag, den 27.September 2016 , 18.00 Uhr

Ort: Rittersaal, Altes Rathaus Arnsberg

Wir arbeiten zusammen:


Rückblick auf die Veranstaltung:

„Menschen auf der Flucht - Fremde bei uns. Gedanken zur Fremdenfeindlichkeit aus sozialpsychologischer und soziologischer Sicht“ mit Frau Dipl. Soz. Daniela Krause, Bielefeld,
vom 27.09.2016

Veranstaltungen dieser Art werden von der Ev. Akademie weit im Voraus geplant. Mit großem Vorlauf werden Themen und Referenten gefunden, Termine abgesprochen. Die Vorträge dieser Reihe „Menschen auf der Flucht- Fremde bei uns“ wurden im Frühjahr 2015 konzipiert, lange bevor dann in den folgenden Monaten eine Welle von Flüchtlingen uns erreichte. So bekam auch dieser erste Vortrag eine damals ungeahnte Aktualität, zumal am Tage des Vortrags – wieder einmal- ein Brandanschlag in Dresden verübt wurde, „mit vermutlich fremdenfeindlichen Hintergrund“. Umso wichtiger ist es, sich auch mit den Hintergründen der Fremdenfeindlichkeit zu beschäftigen, jenseits aller akuten Aufgaben und aktuellen Probleme.

Was führt eigentlich zu solchen Handlungen und, noch mehr, zu solchen Einstellungen, die dahinterliegen? Die Referentin, Daniela Krause, stellte die Ergebnisse der Untersuchungen einer aufgeschlossenen und interessierten Zuhörerschaft dar. Sie arbeitet im Interdisziplinären Institut für Konflikt- und Gewaltforschung an der Uni Bielefeld, das sich seit langem mit der Erforschung der Vorurteile beschäftigt. Die gewalttätigen Handlungen, die in die Öffentlichkeit gelangen, sind lediglich die Spitze eines Eisbergs, die getragen sind von einer breiten Grundlage an Vorurteilen, die Menschen haben.

Dabei haben Vorurteile nicht nur negative Seiten. Sie helfen auch, den Alltag zu bewältigen. Eine Grenze ist allerdings erreicht, wenn Vorurteile benutzt werden, um andere abzuwerten. Die Einstellung, andere Menschen als ungleichwertig anzusehen, ist die Ursache des Übels. Das schränkt anderen die Lebensmöglichkeiten ein. Interessant waren die Vergleiche der Verbreitung von Vorurteilen bei den Generationen: sie sind bei den Älteren stark verbreitet. (So ganz gegen die Gelassenheit und Weisheit des Alters…. )

In ein anderes Kapitel gehört die Frage, die sich in der angeregten Diskussion anschloss: Wie können Vorurteile bearbeitet, verhindert werden? Aus der soziologischen Untersuchung von Einstellungen können keine Rezepte entwickelt werden. Allerdings geben sie aufschlussreiche Hinweise. So sind Bildung und Kontakte Schlüssel, um die Verbreitung von Vorurteilen zu minimieren. Je mehr Menschen Gelegenheit haben, anderen zu begegnen, je mehr sie von Bildung profitieren, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Vorurteile nicht um sich greifen. Hier liegen Schlüssel zur Umsetzung.

WAS MUSS EIN AUFGEKLÄRTER ISLAM ALS ANTWORT...

Prof. Mouhanad Khorchide

...auf einen politisch instrumentalisierten Islam leisten und wie kann sich so ein Islambild etablieren?

Die neuen Flüchtlingswellen aus islamischen Ländern lassen die Frage aufkommen: Welchen Islam bringen die Flüchtlinge mit sich? Viele Menschen in Europa haben Angst vor einem politischen Islam, der im Grunde nur Machtinteressen verfolgt und den Islam als Deckmantel benutzt. Wie kann sich aber ein aufgeklärter Islam in Deutschland etablieren, der sich als spirituelle und ethische Quelle versteht? Was sind die Hauptherausforderungen und wo sind die Chancen, um solches Islamverständnis auch unter Muslimen zu verankern? Welche Rolle spielen historische Entwicklungen innerhalb des Islams, aber auch politische und gesellschaftliche Entwicklungen in der Gegenwart, die das jeweilige Islambild ausprägen? Im Vortrag und in der anschließenden Diskussion wird Prof. Mouhanad Khorchide auf diese Fragen detailliert eingehen.

Mittwoch, 18.05.2016, 19.30 – 21.45 Uhr

Ort: Mariengymnasium Arnsberg, Königstraße 36a

Referent: Prof Dr. Mouhanad Khorchide, Münster


In Kooperation mit der Ev. Akademie Arnsberg e.V.

AUS DEM PROGRAMM DES KATH. BILDUNGSWERK ARNSBERG-SUNDERN E.V.

Wir arbeiten zusammen:


Die Friedfertigkeit Gandhis ...

Dr. Martin Arnold

... und die Streitkunst Jesu:

Gütekraft als Kernelement zukunftsfähigen Friedenshandelns

Auseinandersetzungen um Recht und Unrecht, Freiheit und Unterdrückung, Menschlichkeit und Brutalität sind – Gott sei es geklagt – seit Jahrtausenden an der Tagesordnung. Konflikte gehören zum Leben, doch wie werden sie ausgetragen? Gewalt ist auch eine Sprache unserer Zeit.

Wie sehen konstruktive Schritte des Friedens aus? 'Die andere Wange hinhalten‘?

Das Handlungskonzept ‚Gütekraft’, das Gandhi durch seine Aktionen, seine Lebensweise und seine Schriften (unter der Bezeichnung ‚Gewaltfreiheit’) weltweit bekanntgemacht hat, ist ein tragfähiges Fundament echten Friedenshandelns. Mit Gütekraft können wir auf konstruktive Weise Missstände abbauen und mehr Gerechtigkeit, Freiheit und Menschlichkeit verwirklichen. Gütekraft wird von außen als Kraft erkennbar, wenn Menschen angeregt oder angesteckt werden, von Unrecht abzulassen bzw. Gutes zu tun. In Art. 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wird diese Kraft »Vernunft«, »Gewissen« und »Geist der Geschwisterlichkeit« genannt. In der Friedensarbeit geht es über die personale Ebene hinaus auch um Aktivitäten in gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen. Gütekraft ist nicht an bestimmte Religionen oder Kulturen gebunden, denn alle Menschen sind fähig, Gutes zu tun.

Dr. Martin Arnold, Essen, Friedensforscher und Mitarbeiter am Institut für Friedensarbeit und gewaltfreie Konfliktaustragung (IFGK), kann an Beispielen der jüngeren Zeit aufzeigen, wie dieses Konzept wirkt.


Dienstag, den 10.05.16, 18.00 Uhr

Ort: Rittersaal im Alten Rathaus, Alter Markt 19, Arnsberg

Wir arbeiten zusammen:


Rückblick zur Veranstaltung:
Die Friedfertigkeit Gandhis und die Streitkunst Jesu. Gütekraft als Kernelement zukunftsfähigen Friedenshandelns vom 10. Mai 2016

Konflikte, Gewalt und Unfrieden machen sich mehr als genug – Gott sei es geklagt- überall breit. Wie aber kann es gelingen, dennoch in Frieden miteinander zu leben?

Dr. Martin Arnold, Essen, Friedensforscher und Mitarbeiter am Institut für Friedensarbeit und gewaltfreie Konfliktaustragung (IFGK), konnte interessierten Zuhörenden das Konzept der Gütekraft als Möglichkeit der Konfliktlösung ohne Gewaltanwendung beschreiben. Dieses Konzept wurde aus der Haltung Gandhis weiterentwickelt (satyaragha = Kraft, die aus Wahrheit und Liebe geboren wird“). Im Unterschied zur negativ bezeichneten „non-violence“ (Gewaltlosigkeit) wird positiv beschrieben, welche Haltung und Einstellung Friedenshandeln bewirkt. Dabei gibt Gütekraft keine Erfolgsgarantie und ist kein Rezeptbuch. Vielmehr konnte der Referent in anschaulichen Beispielen zeigen, wie sie wirkt: im beherzten Eintreten eines Mädchens beim pöbelnden Zwischenfall in der Straßenbahn, in dem Einfallsreichtum der Menschen im „Prager Frühling“, in der Beharrlichkeit der Demonstranten in Deutschland 1989. In der Bewegung gegen die Diktatur Marcos auf den Philippinen 1986 wurde der Begriff „dem Andern Würde anbieten“ geprägt, der diese Haltung ausdrückt.

Ein Vortrag, der anregend war und weiteren Fragen anregt:
Wenn das Gute, das in jedem Menschen steckt, die Grundlage für die Gütekraft ist, wie ist es mit der dunklen Seite des Menschen?
Auch das Böse steckt ja in einem.
Und wie verhält sich die Streitkunst Jesu zu diesem Handlungskonzept?

Luther und die Türken

Eine Untersuchung anhand seiner Schrift „Vom Kriege wider die Türken“ (1529)
Historisches Nachdenken im Kontext des christlich-islamischen Dialogs

Welche Haltung zum Islam vertrat Luther im 16. Jahrhundert? Wie sind seine Äußerungen zur „Türkenproblematik“ begründet? War er Kind seiner Zeit, das sich lediglich von der damals vorherrschenden Türkenfeindlichkeit mitreißen ließ?

Luthers Standpunkt soll zunächst in den Zusammenhang jener bewegten Zeit gestellt werden. Konstantinopel war bereits erobert (1453), das osmanische Reich breitete sich aus, Wien wird belagert. Innerhalb Deutschlands beherrschen die Auseinandersetzungen um die Reformation das Geschehen.

Luther hat sich in einer ihm eigenen Weise, theologisch, mit dem Islam und den Türken beschäftigt. In der Darstellung der politisch-gesellschaftlichen Gegebenheiten wird anhand einer seiner Schriften dargelegt, wie Luther zu seinen teils drastischen, derben Äußerungen kam. Aber auch die positiven Ansätze einer Würdigung werden berücksichtigt.

Können Luthers Äußerungen unseren heutigen Blick auf den christlich-islamischen Austausch beeinflussen? Sollten aus einer solchen kirchengeschichtlichen Betrachtung überhaupt Erkenntnisse für die gegenwärtigen Diskussionen gewonnen werden? Und wenn ja, in welcher Form?

Larissa Figgen


Larissa Figgen aus Sundern ist Studentin der evangelischen Theologie an der Uni Münster. Sie hat ein Gemeindepraktikum in Istanbul absolviert; der christlich-islamische Dialog und die Kirchengeschichte sind ihre Studienschwerpunkte.

Dienstag, 08. März 2016, 18:00 Uhr

Ort: Rittersaal im Alten Rathaus, Alter Markt 19, Arnsberg

In Kooperation mit der VHS Arnsberg-Sundern und der senaka

Wir arbeiten zusammen:


Rückblick zur Veranstaltung „Luther und die Türken“ vom 08.03.2016.

Gut besucht war der Rittersaal im Alten Rathaus Arnsberg zur Veranstaltung „Luther und die Türken. Eine Untersuchung seiner Schrift von „Vom Kriege wider die Türken“ (1529). Historisches Nachdenken im Kontext des christlich-islamischen Dialogs.
Gespannt und aufmerksam verfolgten die Teilnehmenden die detaillierten und kenntnisreichen Ausführungen der Referentin Larissa Figgen. Sie stammt aus Sundern und steht jetzt kurz vor dem Abschluss des Theologiestudiums in Münster.

Sie zeigte zunächst den historischen Kontext der Lutherschrift auf. Deutlich wird dies in der Veränderung der bekannten Liedstrophe von Luther: Erhalt uns Herr, bei deinem Wort, und steure deiner Feinde Mord, die Jesus Christus, deinen Sohn, wollen stürzen von deinem Thron. Ursprünglich hieß es bei Luther: „…und steure der Babpst- und Türkenmord…“Die Haltung Luthers ist eingebettet in den Zusammenhang der Auseinandersetzungen seiner Zeit. Innenpolitisch ging es im Deutschen Reich um die Reformation und die Selbständigkeit der Fürstentümer, damit letztendlich auch um die Einheit des Reiches. Außenpolitisch stellte das Osmanische Reich – die „Türken“- die große Bedrohung dar, die in der Belagerung Wiens gipfelte.

Aufschlussreich war, wie Luther seine Haltung herleitete und begründete, wie man sich dieser Gefahr stellen sollte. Für Luther ist wichtig, zwischen weltlicher und geistlicher Macht zu unterscheiden und damit die politischen Entscheidungen der weltlichen Macht zu belassen. Mitunter irritiert die brachiale Wortwahl, mit der Luther zu Gegenmaßnahmen rät. Ihm ist aber auch die Auseinandersetzung auf der geistlichen Ebene wichtig. Hier ist interessant zu beobachten, dass er sich nicht nur mit dem -türkischen- Islam durch Hörensagen beschäftigt, sondern vom Ursprung her den Koran als Quelle studierte.

Eine besondere Note bekam der historische Vortrag durch die Verknüpfung mit dem interreligiösen Dialog unserer Zeit. Larissa Figgen hat an einem Austausch mit der Fakultät Ankara teilgenommen und einige Zeit in der Türkei gelebt. Wie kann man, mit der Geschichte Luthers im Hintergrund, nun heute zu einem Diskurs der Religionen kommen kann? Es hilft, den eigenen Glauben -und die eigene Geschichte- besser zu verstehen, Barrieren durch Neugier zu überwinden und Respekt zu praktizieren, auch in den alltäglichen Dingen wie gemeinsames Essen. Ob es einmal dazu kommt, den Koran wie die Bibel in historisch-kritischer Weise, vernunftgeleitet, zu untersuchen und zu verstehen? Das wäre eine weitere verlässliche Brücke des interreligiösen Dialogs.

Die Referentin schloss mit dem Schlusssatz Luthers in seiner Türkenschrift, der auch für die dialogbereite Weiterführung ein gutes Motto sein kann: „Hilft’s, so hilft’s. Hilft’s nicht, so helfe unser lieber Herr Jesus Christus.“

TTIP

Transatlantisches Freihandelsabkommen – TTIP

Bei TTIP handelt es sich um ein geplantes Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU. Es wird weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt. Es beinhaltet alle Bereiche des wirtschaftlichen Zusammenlebens. Eine Fülle von Fragen ergibt sich. Z.B. Welche Standards werden in Zukunft dem Umweltschutz oder der Lebensmittelsicherheit zugrunde liegen? Welche Auswirkungen wird es auf den Arbeitsschutz oder das Lohnniveau haben? Werden tatsächlich neue Arbeitsplätze geschaffen und wenn ja, um welchen Preis? Profitieren wir alle oder werden die Weltkonzerne noch reicher? Wie wirkt sich das Abkommen zwischen Kanada und der EU (CETA) auf das mit den USA abzuschließende aus? Welche Auswirkungen hat das Abkommen auf den Handel mit den Schwellen- und Dritte-Welt-Ländern? Wie wirkt sich der Investorenschutz auf die einzelnen Staaten aus? Welche Macht erhalten die geplanten nicht-staatlichen Schiedsgerichte?

Auf diese und andere Fragen will die Referentin Antworten geben. Anschließend werden Fragen beantwortet.


Dienstag, den 02. Februar.2016, 19.00 – 21.00 Uhr,

Ort: Rittersaal, Altes Rathaus, Alter Markt 19, Arnsberg

Referentin: Birgit Weinbrenner, Institut für Kirche und Gesellschaft der Ev. Kirche von Westfalen (IKG)

In Kooperation mit der VHS Arnsberg-Sundern und der senaka

Hier steht Ihnen das Veranstaltungsprogramm 2016 als pdf-Dokument zum Download zur Verfügung :

Ev. Akademie Arnsberg e.V.Programm 2018


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