Rückblick 2017

Vorwort

Das Jahr 2017 wird in unseren Veranstaltungen geprägt durch das Gedenken der Reformation vor 500 Jahren. Die Veröffentlichung der 95 Thesen durch Martin Luther war ein Ereignis, das für die Geschichte der Kirche und unseres Landes große, verändernde Kraft hatte. Wir lassen dabei dem Reformator Martin Luther nicht eine moderne Heiligenverehrung zukommen, sondern stellen ihn in den Mittelpunkt und fragen gleichzeitig nach der Bedeutung der Reformation in unterschiedlichen Zusammenhängen. Daher rührt -als roter Faden unserer Veranstaltungen- im Titel das „Luther und…“

Eine weitere Besonderheit in diesem Gedenkjahr ist die intensivierte Zusammenarbeit mit dem Katholischen Bildungswerk Arnsberg- Sundern. Bereits in der Vergangenheit haben wir gemeinsam Veranstaltungen durchgeführt, wie im vergangenen Jahr beim Vortrag von Prof. Khorchide. „Gemeinsam wollen wir den 500. Jahrestag der Reformation zum Anlass nehmen, uns auf die Anliegen der Reformation zu besinnen und ihren Ruf zu Umkehr und geistlicher Erneuerung neu zu hören.“ Dieser Satz aus der gemeinsamen Erklärung katholischer und evangelischer Bischöfe beschreibt die Absicht der Kooperation. Mit dem gemeinsamen Motto unserer Veranstaltungen „2017- Luther-Ja(hr)?!“ wird einerseits die Besonderheit des Gedenkjahres herausgestellt; andererseits wird die Wirkung Luthers positiv gewürdigt. Darum werden hier auch die Veranstaltungen, bei denen das KBW Träger ist, veröffentlicht; zur besseren Unterscheidung in kursiver Schrift. Außerdem werden unsere Veranstaltungen durch eine Zusammenarbeit mit der Stadt Arnsberg – Kulturbüro- in weiteren Kreisen veröffentlicht.

Wir erhoffen uns von diesem Miteinander die Chance auf gemeinsame Reflexion unserer Wurzeln und auf das verbindende Erbe unserer Traditionen.

Eine Veranstaltung des katholischen Bildungswerk Arnsberg-Sundern e.V. - in Kooperation mit der evangelischen Akademie Arnsberg e.V.

Das Reformationskreuz

Die Kennzeichen der Reformation werden begreifbar.

Bei den Veranstaltungen dieses Gedenkjahres der Reformation bekommen die Referenten ein kleines Geschenk: ein Reformationskreuz.
Die Mitglieder der Ev. Akademie erhielten dies bereits bei der vergangenen Mitgliederversammlung zur Einstimmung auf dieses besondere Jahr.

Die Bedeutung der reformatorischen Erkenntnisse kann man gut mit den einzelnen Teilen des Kreuzes verdeutlichen:

Sola scriptura- Allein die Schrift:

Das ist nach unserer Überzeugung die Grundlage, auf der sich Antworten finden lassen für unsere Fragen und für unser Suchen nach Orientierung. Luther hat sie übersetzt, damit sie für alle verstehbar ist und sich jeder Mensch eine eigene Meinung bilden kann. In der Schrift begründet, hat sie einen gutenfesten Standpunkt. Allein die Schrift - das ist die gemeinsame Basis aller Christen. Und sie hat zwei Teile; den ersten Teil, das „Alte“ Testament, haben wir gemeinsam mit den Juden.

Sola gratia- Allein durch Gnade

Gottes Liebe erreicht die Menschen, unabhängig von allem, was ein Mensch macht. Gottes Liebe befreit von aller Angst, auch von der Angst, es ihm und allen anderen recht machen zu müssen. Wir können nichts tun, um Gott gnädig zu stimmen oder zu besänftigen. Wir müssen es auch gar nicht.
Er reicht von sich aus uns die Hand entgegen, richtet uns auf, hilft uns, aufrecht durchs Leben zu gehen.

Sola fide - Allein durch Glauben

Im Glauben finden Menschen ihre Beziehung zu Gott. Begründet im persönlichen Vertrauen ist er mit Gott verbunden. Dazu braucht es keine Vermittler oder Fürsprecher; jeder Mensch ist dazu selbst in der Lage und dafür verantwortlich. Dies begründet die Freiheit des Einzelnen.
Darum ist es auch höchst unterschiedlich, wie der Glauben sich ausgestaltet. Im Bild des Reformationskreuzes: Wie nah oder fern die senkrechten Teile zueinanderstehen.

Solus Christus - Allein Christus

Alle drei Teile ergeben ein Ganzes: ein Kreuz wird sichtbar. Allein an Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, hängt unsere Beziehung zu Gott. Dies ist nicht immer von vornherein erkennbar; wie dieses Kreuz auch erst in den Umrissen zu sehen ist.
Christus öffnet uns den Zugang zu Gott. Dieses Kreuz wirkt wie ein Schlüsselloch. Christus allein ist die Tür, die zu ihm führt.

Luther und die Juden

Dr. Hartmut Lehnhardt, Nordhorn

Sonntag, 12.11.2017, 17.00 Uhr
Alte Synagoge, Neheim.

Veranstaltergemeinschaft zum Gedenken des 09. November 1938

Die Ev. Akademie Arnsberg e.V.ist Mitglied der Veranstaltergemeinschaft zum Gedenken des 09. November 1938

Rückblick Luther und die Juden

Im Jahr des Reformationsjubiläums hatte die Veranstaltergemeinschaft zum Gedenken an den 09.11.1938, zu der auch die Ev. Akademie Arnsberg gehört, besondere Aufmerksamkeit auf die Haltung des Reformators Martin Luther zu den Juden gelegt. Damit wurde auch die Schattenseite dieses bedeutenden Menschen beleuchtet.
Dr. Lehnhardt verstand in seinem Vortrag, die persönliche Haltung Luthers in dem Zusammenhang seiner Zeit zu stellen und verständlich zu machen. Gleichwohl bleiben die durchgehende, von Hass und Ablehnung erfüllte Position Luthers für uns nicht mehr nachzuvollziehen. Noch in seiner letzten Predigt wetterte Luther in seiner groben Art gegen die Juden.
Was diese Problematik des unseligen Erbes uns Heutigen zu schaffen macht, wurde verdeutlicht anhand der Diskussion um eine Darstellung der „Judensau“ an der Wittenberger Stadtkirche, wo Luther seinerzeit gepredigt hat: Soll man dieses Relief entfernen? Oder dort belassen, als mahnender Ausdruck der Geschichte? In Verbindung mit einem „Stolperstein“, der dies erläutert, wurde man dort sowohl der Aufarbeitung dieser dunklen Seite der Reformation als auch dem historischen Gewordenen gerecht.
Die vielen Teilnehmenden fanden nicht mehr in der ehemaligen Synagoge, sondern in der Christuskirche Platz. Der Referent verstand es, in hervorragender Weise die geschichtliche Problematik und die Auswirkung von Luthers Haltung, didaktisch aufbereitet und hilfreich durch Bilder präsentiert, darzulegen. Eine aufschlussreiche Veranstaltung, die in weiteren Gesprächen noch Nachwirkungen hatte.

Bibelseminar

Bibelseminar
Erzähltexte zu den Kennzeichen der Reformation

02.11.2017 und 09.11.2017 um 17:30 Uhr

Pfarrsaal Liebfrauen, Hellefelder str.

Rückblick Bibelseminar 2017

Erzähltexte zu den Grundmerkmalen der Reformation

Im Jahr des Reformationsjubiläums gab es natürlich allenthalben viel zu hören zur Geschichte und den Wirkungen der Reformation – auch bei uns, in der Ev. Akademie Arnsberg. Zumeist ging es dabei dann um die Grundbegriffe und -merkmale der Reformation: sola fide – allein aus Glauben; sola gratia- allein aus Gnade; sola scriptura – allein das Wort/die Schrift; solus Christus – allein Christus. Doch wie, so kann man fragen, gelangen wir zu den ‚Tätigkeitsworten‘, dem erzählten Glauben?

Die Suche der dogmatischen Grundbegriffe in biblischen Erzähltexten geht zurück auf die Beobachtung: ganz am Anfang der Christenheit und ursprünglich wurden die Einsichten und Gewissheiten des Glaubens vor allem weiter erzählt. Gedankengebäude der Dogmatik entstanden erst im Nachhinein und verdichten sozusagen das Erzählte. Der Weg war, die komprimierten dogmatischen Begriffe wieder zu elementarisieren und in Geschehen entfalten. Die Suche nach Erzähltexten zu den Grundberiffen der Reformation im Rahmen des diesjährigen Bibelseminars war darum auch eine Hinwendung zu ursprünglichen Inhalten.

In der Tradition der Bibelseminare der Ev. Akademie Arnsberg sind die Bibelseminare auf drei Abende in einer Woche ausgelegt. Somit ergibt sich die Gelegenheit, sich intensiver und diskursiver um Inhalte zu kümmern. Das Gespräch unter den Teilnehmenden hatte auch diesmal einen hohen Stellenwert.

Am ersten Abend ging es um sola-fide – allein aus Glauben. Bei einem Querschnitt aus dem Befund zum Stichwort „Glauben“ zeigt sich, dass der Begriff schon weitgehend in dogmatischer Form, etwa bei Paulus, gebraucht wird. Als Erzählung zum Glauben wurde die Heilung des epileptischen Knaben, u.a. durch synoptischen Vergleich, untersucht, die in dem Wort des Vaters gipfelt: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“

Am zweiten Abend wurde das Stichwort „Allein aus Gnade“ narrativ entfaltet und ergründet. Der Erzähltext dazu war die tiefgründige Geschichte von der Vernichtung Sodoms und der Errettung Lots – aus Gnade. Die Teilnehmenden tauchten mit der Methode des Bibliologs in einer sehr authentischen und persönlichen Weise in die Bedeutung dieser schwierigen Geschichte ein. Hier zeigte sich, wie gut die Möglichkeit zu intensiven Gesprächen im Bibelseminar genutzt werden kann.

Am dritten Abend, am 09.11., ging es um „Sola scriptura – allein das Wort/ die Schrift“. Leitender Erzähltext war dabei die Episode aus dem Buch Jeremia 36, wo der König die Schriftrollen mit den Worten Gottes verbrennt. In der lebhaften Diskussion ging es auch um die Frage: Wenn ‚allein die Schrift‘ gilt -die Bibel aber viele Seiten hat…. Es also gegensätzliche Bibelworte gibt, die kein einheitliches Bild geben, was gilt dann in der Auslegung und als hermeneutisches Prinzip? Was bedeutet dann: Übersetzen- Auslegen? Was ist Maßstab und Richtschnur? Mit Luther in Worms: die Schrift – und das Argument der Vernunft! Hochaktuell, wenn man die Schwierigkeit bedenkt, die eine hermeneutische Erschließung des Koran hat. Und: parallel zum Verbrennen der Schrift in der biblischen Erzählung erinnerte das Datum der Reichsprogromnacht an die Bücherverbrennung unter den Nazis. („Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.“ Heinrich Heine) Die Ausstellung verbotener Bücher bei der documenta in Kassel ist ein weiterer Hinweis auf die aktuelle Bedeutung dieser Fragen.

Ehe und Familie ....

Ehe und Familie aus katholischer und evangelischer Sicht
Konrad Schmidt/ Volker Horstmeier
Dienstag, den 19.09. 2017, 19.30 Uhr
Kath. Bildungsstätte, Hellefelder Str.15 59821 Arnsberg

Veranstalter:

Rückblick: Ehe und Familie...

Im Untertitel zu dieser Veranstaltung hieß es: „Zwei Seelsorger stellen sich“. Und in der Tat: durch die langjährigen Erfahrungen aus ihrer aktiven Amtszeit konnten die beiden Seelsorger, Msgr. Dr. Konrad Schmidt aus Sundern und Pfr. i.R. Volker Horstmeier auf besondere und spezifische Herausforderungen in diesem Feld eingehen.
Der Wandel macht vor den Familien nicht halt. Das wurde eindrücklich, als Dr. Schmidt davon sprach, wie sich junge Menschen in der Berufsschule vor einigen Jahrzehnten zu ihren Erwartungen äußerten. Inzwischen gibt es buntes Bild von dem, was wir unter Familie verstehen: Scheidungen bringen patch-work-Familien (dieses Wort kannte man damals noch gar nicht) hervor, gleichgeschlechtliche Partner erziehen gemeinsam Kinder…. Zusammenfassend konnte darum die Beschreibung aus den Verlautbarungen der Evangelischen Kirche auf den Begriff bringen, was unter Familie gemeint ist: wo Menschen generationenübergreifend in verlässlicher Weise füreinander da sind.
Natürlich spielte auch das Thema Ehe eine Rolle in der Veranstaltung. Von den Teilnehmenden wurde besonders die Problematik der konfessionsverbindenden Ehe, und hier zugespitzt die Zulassung zum Hl. Abendmahl in die Diskussion gebracht. Öffnungen durch die Katholische Kirche werden aufmerksam beachtet.
Eine Veranstaltung mit lebendiger und lebhafter Diskussion zwischen Referenten, die sich die ‚Bälle zuwarfen‘ und unter den Teilnehmenden.

Luther und die Kirche(n)

Propst Hubertus Böttcher

Wie ein katholischer Christ die Bedeutung der Reformation für heute sieht.

Die Reformation, vor 500 Jahren von Martin Luther angestoßen, hat große Auswirkungen nicht nur in der Kirche gehabt. Sie war auch der Beginn der Trennung der Kirchen in Europa. So wird die Reformation für einen katholischen Christen eine andere Bedeutung haben als für einen Lutheraner.

Welchen Einfluss hat die Reformation bis heute auf die Kirche und die Kirchen? Diese Frage gilt es zu bedenken, nachdem die Kernanliegen der Reformation, wie die Bedeutung der Bibel oder der Glaube, dass der Mensch durch Gnade und Barmherzigkeit Gottes Heil und Erlösung finden, Eingang gefunden haben auch in der katholischen Kirche. Welchen Beitrag leistet die Reformation von damals für die Erneuerung der Kirche heute? Wichtig ist, dass man darüber im Gespräch miteinander bleibt.

Für Hubertus Böttcher, Propst und Dechant aus Arnsberg, ist dieses gemeinsame Gespräch wichtig wie auch das gemeinsame Suchen nach dem, was der christliche Glaube trägt und prägt.


Propst Hubertus Böttcher, Arnsberg.

Dienstag, 25.04. 2017, 18.00 Uhr, Rittersaal, Altes Rathaus Arnsberg

Rückblick Luther und die Kirche(n)

Luther und die Kirche(n)-
Wie ein katholischer Christ die Reformation betrachtet

Donnerstag, 25.04.2017;

Propst Hubertus Böttcher

Im Gedenkjahr der Reformation war es gut, die Bedeutung dieses Geschehens aus der Sicht eines katholischen Christen zu erkennen. Diese Veranstaltung, die gemeinsam mit dem Kath. Bildungswerk Arnsberg-Sundern durchgeführt wurde, öffnete den Blick für die gegenwärtigen Herausforderungen an die Kirche(n) vor dem Hintergrund des Vergangenen.
Hubertus Böttcher stellte seine Überlegungen in der ihm eigenen Art dar: sehr authentisch, überzeugend, dialogbereit und gewürzt mit vielen Beispielen und eigenen Erfahrungen.

Für beide Kirchen gibt es gemeinsame Herausforderungen, die durch die weitgehend säkularisierte Gesellschaft gestellt werden. Das jahrhundertlange Denken in Konfrontationen muss darum überwunden werden. Althergebrachtes Schablonendenken ist nicht mehr angesagt. Ein abgehobener Eliteanspruch für die Erkenntnis der Wahrheit ist fehl am Platz. Eine selbstgenügsame Haltung des „Weiter so“ wird dem biblischen Auftrag nicht gerecht.
So kann auch ein katholischer Christ die Erkenntnis Luthers als Gewinn ansehen, dass die Kirche -beide Kirchen!- vor allem einen Auftrag zur Verkündigung und zur Bezeugung des Evangeliums hat. Eines von vielen Beispielen: Die Kirche(n) ist wie ein Bus, der von Haltestelle zu Haltestelle fährt, mit einem festen Ziel. Aber es wird keiner gezwungen einzusteigen! Dies ist vielmehr begründet in der eigenen Entscheidung zum Glauben.

In der anschließenden, lebhaften Gesprächsrunde wurde von allen die Überzeugung vertreten, dass das gemeinsame Zeugnis der Kirchen eine Chance für die Glaubwürdigkeit ist. „Wir sind zwar als Schwestern und Brüder wie in einer Familie unter einem Dach vereint, aber noch nicht am selben Tisch.“
Vor dem Hintergrund des Versöhnungsgottesdienstes beider Kirchen in Hildesheim wurde angeregt, auch hier in Arnsberg einen gemeinsamen Gottesdienst zur Reformation und zur Versöhnung zu feiern. Diese Anregung wurde gerne aufgenommen; auf katholischer Seite kam spontane Zustimmung; die evangelische Kirchengemeinde muss darüber noch beraten und entscheiden.

Luther und die deutsche Sprache

Klaus Ullrich

Luther und die deutsche Sprache. Wie wir lernten, (Hoch-)Deutsch zu sprechen.

Die Bedeutung der Reformation, die Martin Luther vor 5oo Jahren ausgelöst und maßgeblich beeinflusst hat, erstreckt sich über viele Felder des gesellschaftlichen Lebens. Auch unsere deutsche Sprache ist in hohen Maße von der Reformation und Martin Luther geprägt worden.

Bis zu einer gemeinsamen, für alle verständlichen und von allen gesprochene Sprache des Hochdeutschen war es ein langer Weg. Entscheidenden Anteil daran hatte die Bibelübersetzung ins Deutsche durch Martin Luther, mit der er jedem Christenmenschen den Zugang zu den biblischen Texten eröffnen wollte. Seine Wortschöpfungen und Sprachgewalt ist immer noch beeindruckend. Bis heute gilt sein Maßstab, „dem Volk aufs Maul zu schauen“, um für möglichst viele verständlich zu sein. (Dass er dabei die Kanzleisprache Kursachsens zum Ausgang nahm, ist heute nur schwer nachvollziehbar – ausgerechnet sächsisch!).

In dieser Veranstaltung wird dem Werden der deutschen Sprache nachgespürt und die Bedeutung Martin Luthers dabei gewürdigt werden.

OStD i.R. Klaus Ullrich,

Mittwoch, den 29. März 2017, 18.00 Uhr

Rittersaal, Altes Rathaus Arnsberg

Wir arbeiten zusammen:


Rückblick zur Veranstaltung

Titelholzschnitt der Ausgabe Wittenberg 1541

von Lucas Cranach dem Jüngeren ( aus Wikipedia)

„Luther und die (deutsche) Sprache“ mit OStD i.R. Klaus Ullrich vom Mittwoch, den 29.03.2017

Mit einem Feuerwerk aus mehr als 50 Redewendungen und Wortschöpfungen Martin Luthers begann Klaus Ullrich, langjähriger Leiter des Laurentianums Arnsberg, seinen Vortrag. Daran schloss sich eine umfassende Charakterisierung Martin Luthers an, die das komplexe Wirken des Reformators beschrieb – in einem Satz! (gut, als Zitat von Thomas Mann).

Es folgte ein beeindruckender Vortrag, der in vielerlei Hinsicht „gründlich“ genannt werden darf. Es wurden die Grundlagen unserer heutigen Sprache vorgestellt, der Hintergrund des damaligen Sprachgebrauchs dargestellt, den grundlegenden Zusammenhängen nachgespürt und dem Grundanliegen Luthers, der Verbreitung des Glaubens, in seiner Übersetzungsarbeit auf den -sprachlichen- Grund gefolgt; dabei auch kurz die Abgründe heutiger Sprachentwicklung gestreift.

Die schöpferische Leistung Martin Luthers für die deutsche Sprache wurde von Klaus Ullrich eingebettet in die Entwicklung der damaligen Sprache. Allein Latein war damals eine gemeinsame Sprache; „das Deutsche“ bestand aus verschiedenen Sprachlandschaften vom Niederdeutschen zum östlichen Mittelhochdeutschen. Buchdruck und Verstädterung waren wichtige Voraussetzungen für die Verbreitung von Luthers Schriften (die ein Drittel der gesamten Buchproduktion in Deutschland ausmachten). In seiner Übersetzungsarbeit veränderte er das wortwörtliche Prinzip hin zu einer Übersetzung im Sinnprinzip, die sich an der allgemeinen Verständlichkeit ausrichtete. Hier hat das geflügelte Wort vom „dem gemeinen Mann aufs Maul schauen“ seinen Ursprung. Darin entwickelte Luther eine nachhaltige, sprachnormierende Kraft, die bis heute wirkt.

Es war ein Vortrag, der von den zahlreichen Zuhörenden aufmerksam und intensiv verfolgt wurde und in sehr konzentrierter und gründlicher Weise uns das Werden unserer Sprache nahebrachte.

OStD i.R. Klaus Ullrich

Anlesung des gesamten Vortrages

Klaus Ullrich

LUTHER UND DIE (DEUTSCHE) SPRACHE

(Vortrag vor der Evangelischen Akademie Arnsberg, 29. März 2017)

Es ist Matthäi am letzten. Man muss ja mal deutsch mit euch reden, ihr Schlangen und Otterngezücht. Ihr wisst nicht, was ihr tut, aber eure Sprache verrät euch. Euch wird noch Hören und Sehen vergehen an den Fleischtöpfen Ägyptens, denn der Mensch lebt nicht von Brot allein, aber im Schweiße deines Angesichts sollst du es essen. Der Wein erfreut des Menschen Herz, darum bleibe im Lande und nähre dich redlich. Auch wenn ihr in diesem Lande lebt wie Fremdlinge und oft genug mit Furcht und Zittern von Pontius zu Pilatus laufen müsst. Euer ganzes Dichten und Trachten sei nicht länger wie ein Tanz um das Goldene Kalb, bis ihr in die Grube fahrt. Wer ist der Sündenbock? Wer kann seine Hände in Unschuld waschen? Wer geht nicht krumme Wege? Wer trägt nicht zur babylonischen Verwirrung bei? Ihr werdet in Sack und Asche gehen. Ihr seid wie Spreu im Wind. Vielleicht geht euch doch noch ein Licht auf. Wem seid ihr zu vergleichen? Dem alten Adam, dem weisen Salomon, dem barmherzigen Samariter, dem armen Lazarus, dem ungläubigen Thomas, einem schwankenden Rohr im Wind? Ihr werdet nicht so alt wie Methusalem. Man wird euch in diesem Jammertal auf Herz und Nieren prüfen. Am Schluss wird nur noch ein Heulen und Zähneklappern zu hören sein. Recht muss doch Recht bleiben. Die Lästermäuler werden in alle Winde zerstreut sein. Euch braucht nicht angst und bange zu werden. Ihr sollt euch nicht die Augen ausweinen. Euer Glaube steht nicht auf tönernen Füßen. Ihr werdet mit dem Leben davonkommen, einer wie der andere, denn ihr seid ja ein Herz und eine Seele und steht im Buch des Lebens. Fünfzig Redewendungen, der Lutherbibel entlehnt und nun in unserer Alltagssprache herumgeisternd...
Vierhundertfünfzig geflügelte Worte sollen aus der Bibel stammen, und Friedrich von Schlegel fand es bemerkenswert, dass in keine neuere Sprache so viele biblische Wendungen und Ausdrücke aufgenommen wurden wie in die deutsche. Aber in unserer täglichen Sprache ist vieles aus der Lutherischen Bibelsprache noch vieles unbewusst präsent, aber der Hintersinn ist weitgehend verlorengegangen. Wer „Hiobsbotschaft“ ...

Den vollständigen Vortrag können Sie hier als PDF-Dokument herunterladen [373 KB]

2017 - Luther -Ja (hr)

Neue Impulse für ein Miteinander der Konfessionen
„Unterwegs nach Emmaus“
Pfr. i.R. Hans-Georg Link, Köln
Mittwoch, 15. März 2017, 19.30 Uhr
Kath. Bildungsstätte, Hellefelder Str.15 59821 Arnsberg

Rückblick zur Veranstaltung vom 15.03.2017

„Neue Impulse für ein Miteinander der Konfessionen.“

Diese Veranstaltung in den Räumen der Kath. Bildungsstätte fand statt im Lichte des Versöhnungsgottesdienstes beider Kirchen in Hildesheim, der kurz zuvor mit den Repräsentanten, Kardinal Marx und Bischof Bedford-Strohm, gefeiert wurde. Dort war die Bewegung aufeinander zu sichtbar und spürbar.

Dies prägte auch die Atmosphäre bei diesem Vortrag. Der Referent, Pfr. i.R. H.G. Link, lange Jahre Pfarrer in der Ökumenearbeit in Köln, knüpfte an diesem Ereignis an. Ohne Manuskript, schöpfend aus dem reichen Schatz seiner Erfahrungen, schilderte er die Möglichkeiten ökumenischer Zusammenarbeit. Dies geschah in sehr lebhafter und engagierter Weise. Sein Interesse lag daran, wie das Miteinander der Kirchen hier vor Ort gefördert werden kann. Im Gespräch mit den Teilnehmenden wurde dann auch deutlich – nach einigem Nachdenken-, dass es auch hier bei uns gelingende Formen der Zusammenarbeit gibt und gab. Das reicht von der Flüchtlingsarbeit (in Neheim) über Gesprächsreihen (wie in Hüsten) und Bibelwochen mit Erwachsenen und Kindern (Arnsberg). Auch die Kooperation zwischen dem Kath. Bildungswerk Arnsberg- Sundern und der Ev. Akademie Arnsberg ist nicht zuletzt ein wichtiges Zeichen dieser Zusammenarbeit.

Es wurde jedoch auch deutlich, dass persönliche Bereitschaft und Engagement der Beteiligten ein wichtiger Grundpfeiler der praktizierten Ökumene sind. Ökumenische Partnerschaften von Gemeinden, wie der Referent sie beschrieb, können da eine Hilfe sein. „Sie machen verbindlich, was sie im Glauben, Leben und Handeln bereits verbindet.“ Sie geben der Verbundenheit einen institutionellen Rahmen, der über persönliche Aufgeschlossenheit und Sympathie hinausgeht. Insofern war dies ein in mehrfacher Hinsicht anregender Abend.

Veranstalter:

Luther, Reformation und Bildung der Deutschen

"Soll man zulassen, dass lauter Flegel und Grobiane regieren?" (Luther)

Die Reformation war auch eine Bildungsbewegung. Jeder sollte die Bibel selbst lesen und die Predigt verstehen können. Die Reformation zielte auf den selbständig denkenden und urteilenden Christen.

Zur Heranbildung von Christenmenschen, die in der Welt Verantwortung übernehmen, sollte es an jedem Ort Schulen geben - erstmals auch für Mädchen.
Ist von diesem reformatorischen Bildungsaufbruch in der Evangelischen Kirche heute noch etwas zu spüren? Bildung muss nach reformatorischem Verständnis "Bildung für alle" sein. Wie kann sich die Evangelische Kirche heute für mehr Bildungs- Gerechtigkeit engagieren?

Prof. Dr. Hans- Martin Lübking

Prof. Dr. Hans- Martin Lübking, Dortmund, war über viele Jahre Leiter des Pädagogischen Instituts der Ev. Kirche von Westfalen in Villigst mit gleichzeitigem Lehrauftrag an der Universität Münster. Er ist Autor zahlreicher Bücher für die Konfirmandenarbeit und für den Gottesdienst, gerade auch für die praktische Arbeit mit jungen Menschen.

Dienstag, den 07. 02.2017, 18.00 Uhr

Ort: Rittersaal Altes Rathaus Arnsberg

Referent: Prof. Dr. Hans-Martin Lübking, Dortmund


Rückblick: Luther, Reformation und die Bildung

Eine Predigt, dass man Kinder zur Schule halten so

Foto: Deutsches Historisches Museum Rechtsstatus: Rechte vorbehalten - Freier Zugang

In diesem Jahr des Reformationsgedenkens bestimmt naturgemäß der Rückblick auf die Reformation das Angebot der Veranstaltung, aber auch die Frage nach der heutigen Bedeutung dieses Weltereignisses.

Die erste Veranstaltung der Ev. Akademie Arnsberg in dieser Reihe, die gemeinsam mit dem Kath. Bildungswerk Arnsberg-Sundern durchgeführt wurde, hatte erfreulich viele Teilnehmende. Sie widmete sich einem Aspekt der Reformation, der wesentlich zum Gelingen dieser Bewegung beitrug. Denn die Reformation war auch eine Bildungsbewegung. Jeder Christ sollte die Bibel selbst lesen und die Predigt in der Muttersprache verstehen können. Die Reformation zielte auf den selbständig denkenden und urteilenden Christen. Bildung hatte für Luther einen hohen Stellenwert. „Soll man zulassen, dass lauter Flegel und Grobiane regieren?", fragte er einmal.

Luthers Überlegungen, die er auch in der Schrift „Eine Predigt, daß man Kinder zur Schule halten solle“ zusammenfasste, und zur Bildung griffen seiner Zeit weit voraus und sind auch heute noch richtungsweisend. Etwa die Forderung, dass die Schule für Mädchen wie Jungen offen sein sollte, oder dass sie aus der kirchlichen- klösterlichen Trägerschaft gelöst und in die Verantwortung der Kommunen gegeben werden.

Mit Prof. Dr. Hans-Martin Lübking, dem langjährigen Leiter des Pädagogischen Instituts der Ev. Kirche von Westfalen, konnte ein sachkundiger und engagierter Referent gewonnen werden. Das Interesse der Zuhörer wurde dann auch bei der anschließenden Fragerunde deutlich.

Hier steht Ihnen das Veranstaltungsprogramm 2017 als pdf-Dokument zum Download zur Verfügung :

Ev. Akademie Arnsberg e.V.Programm 2018


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Hier steht Ihnen das aktuelle Veranstaltungsprogramm als pdf-Dokument zum Download zur Verfügung :

Ev. Akademie Arnsberg e.V.Programm 2018

Evangelische Akademie Arnsberg