Rückblick 2019

70 Jahre Evangelische Akademie Arnsberg

2019 war ein besonderes Jahr für die Ev. Akademie Arnsberg. Vor 70 Jahren wurde sie gegründet in bewegter Zeit. Seit sieben Jahrzehnten ist sie Bestandteil der Bildungslandschaft in Arnsberg mit vielfältigen Angeboten, früher auch mit vielen interessanten Studienreisen. Ihr besonderes Kennzeichen ist, dass sie als einzige Ev. Akademie ganz und gar ehrenamtlich geführt wird.

Natürlich hat sie sich gewandelt im Laufe der Jahre. Sie ist nicht mehr so groß, nicht mehr so leistungsfähig wie in vergangenen Jahren. Aber immer noch da und lebendig! Und immer noch leistet sie einen Beitrag zur geistigen Auseinandersetzung mit vielfältigen Themen über Gott und die Welt.

Seit einigen Jahren zeigt sich durchgehend in den Veranstaltungen der Dialog von Christen und Muslimen mit unterschiedlichen Referenten und Themen. Durch die VHS und der senaka Arnsberg erfährt die Ev. Akademie Arnsberg eine breite und wohltuende Unterstützung in mancher Hinsicht. Auch die Kooperation mit dem Kath. Bildungswerk Arnsberg-Sundern ist eine gelungene Weiterentwicklung des Angebots. Seit vielen Jahren engagiert sich die Ev. Akademie Arnsberg in der Veranstaltergemeinschaft zum Gedenken an den 09. November 1938.
Sie ersetzt nicht die Erwachsenenbildung der Ev. Kirchengemeinden, sondern weist mit ihrem eigenständigen Angebot ein eigenes Profil. Zur Offenheit der Ev. Akademie gehört, dass alle Veranstaltungen auch von Nicht-mitgliedern besucht werden können (wenngleich wir auf Mitglieder angewiesen sind, um unsere Aktivitäten aufrecht zu erhalten!) und Referenten nicht nur aus dem Bereich der Kirche kommen.

Zehn Thesen zur Arbeit einer Ev. Akademie

10 Thesen zur Akademiearbeit

von Dr. Udo Arnoldi, Neheim

Aus Anlass des 70-jährigen Jubiläums gab es nun kein großes Festprogramm wie noch vor 30 oder 40 Jahren. Dafür haben sich Zeiten und Möglichkeiten der Akademie zu sehr gewandelt. Aber es gab einen wertvollen Impuls zum Nachdenken durch Dr. Udo Arnoldi, Neheim. In zehn Thesen zur Arbeit einer Ev. Akademie hat er wichtige Anregung gegeben für die Arbeit in den weiteren Jahren.

"Weniger ist mehr- und manchmal auch schwer?"-

Pfr. Volker Rotthauwe

Wie geht eigentlich eine Ethik des Genug?
Über das Verhältnis von Wissen, Wollen und Handeln angesichts des Klimawandels.

Seit Jahrzehnten wissen wir vom Klimawandel.
Die Konsequenzen für die Erde und für alle Lebewesen sind weitestgehend erforscht. In fast allen Handlungsfelder des Klimaschutzes handelt die Politik viel zu inkonsequent und halbherzig. Junge Menschen klagen deshalb weltweit in der "Friday 4 Future"-Bewegung ihre Elterngeneration zu Recht an. Wir wissen, dass jeder Einzelne seinen Konsum- und Lebensstil ändern muss, wenn diese Erde überleben will. Wir brauchen eine "Ethik des Genug"! Aber wir tun nicht, oder zu selten, was wir wissen und vielleicht auch wollen. Woran liegt das und wie kann man das ändern? Damit beschäftigt sich der Vortrag und das Gespräch n dem Abend.

Der Referent ist Umweltpfarrer der EKvW und Leiter des Fachbereichs "Nachhaltige Entwicklung", Dipl. Pädagoge; Organisationspsychologe; Systemischer Coach vorher: Jugendpfarrer im KK Steinfurt-Coesfeld-Borken und Leiter der Jugendbildungsstätte Nordwalde.

Er wird begleitet von
Frau Theresa Kersting, Studentin der Nachhaltigkeitswissenschaften in Bochum, nach Arnsberg kommen. Sie wird , in meinem Vortrag integriert, über die Fridays for Future-Bewegung informieren und darüber, was sie als junge Frau zu ihrem Engagement motiviert hat.


Pfr. Volker Rotthauwe, Villigst

Donnerstag, 28.11.2019; 18:00 Uhr

Forum Peter-Prinz-Bildungshaus, Ehmsenstr.7


Rückblick zur Veranstaltung:

„Weniger ist mehr- und manchmal auch schwer“ vom 28.11.2019

Wie kann es mit unserer Erde weitergehen?
Nachhaltigkeit ist ein Thema, das fortwährend im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht und unmittelbar angeht. Die Ev. Akademie Arnsberg hat sich bei einer ganz gut besuchten Veranstaltung mit diesem Thema beschäftigt. Es konnte als Referent der Umweltpfarrer der Ev. Kirche von Westfalen, Pfr. Volker Rotthauwe (Leiter des Instituts für Kirche und Gesellschaft in Villigst) gewonnen, der in Begleitung von Frau Teresa Kerstin kam, die Nachhaltigkeitswissenschaft (so was gibt es!) studiert.

Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass es in den vergangenen Jahrzehnten eine große Zunahme gegeben hat: an Verkehr, an Wohnfläche, an Abgasen und Verschmutzung. Vieles resultiert aus der ungehemmten Bedarfsweckung statt der Bedarfsdeckung. Herr Rotthauwe beschrieb, wie man den zerstörerischen Kreislauf des „Mehr“ durchbrechen kann. Eine Lösung im Modus der Steigerung und des Mehr wird nicht greifen. Stattdessen ist dabei die Fragestellung: was gehört zum guten Leben eigentlich dazu? Leitend. Wie kann man es schaffen, dass verändertes Verhalten nicht nur negativ beschrieben wird, sondern auch positiv empfunden wird; wie wird aus Verzicht Gewinn? Wo sind für den jeweiligen Alltag Gelegenheiten zu finden, einfach zu leben?

Nachhaltigkeit ist die Kunst des kreativen Unterlassens.

Frau Kerstin berichtete von der Bewegung „Fridays für future“, den Hintergründen und Aktionen in Bochum. Bei dieser recht unorganisierten Bewegung, die doch viel Wirkung in der letzten Zeit gezeigt hat, ist die Frage nach der Leitung und Verantwortlichkeit umgedreht: Wer ist verantwortlich für den Zustand der Erde? Wir sind es. Einfach in der Einsicht, schwierig in der Umsetzung.
Ein anregender Abend, der zu kurz war, um noch auf den besonderen Beitrag der Kirchen einzugehen (so wird es im Kirchenkreis Soest-Arnsberg eine hauptamtliche Stelle mit einem Budget geben; mehrere Gemeinde haben umweltschonende Maßnahmen unter dem „Grünen Hahn“ für ihre Gebäude durchgeführt).

Wir arbeiten zusammen:


Herkunft und Zukunft meines Glaubens

Prof. Dr. Anna-Katharina Szagun

Wie kommt welcher Gott in Kinderköpfe?
Von der Herkunft und der Zukunft des Glaubens.
Was Menschen prägt, entwickeln sie in der Regel im frühen Kindesalter. Je früher etwas eingeprägt wird, desto stärker haftet es, positiv wie negativ. Was Kindern religiös mitgegeben wird, kann zur Sackgasse werden oder aber Zukunft eröffnen. Religiöse Sozialisation wird daher in den Kirchen/Religionsgemeinschaften als wichtige Zukunftsaufgabe benannt.

Aber reichen die Angebote der Kirchen in Kindergarten bzw. -gottesdienst, Jugendarbeit angesichts der Erosion religiöser Bildung und Bindung aus? Welche Bedeutung haben Bildungsträger wie z.B. Eltern, Großeltern, Chöre, Schule?

Auf diese Fragen gibt Frau Prof. Dr. Szagun Antworten, die ihre Basis in Forschung und umfangreicher Praxis haben. Mit ihrer Langzeitstudie zur religiösen Entwicklung hat sie sich auf die Spurensuche gemacht, was und wer für Kinder zum Aufbau einer tragfähigen Gottesbeziehung wichtig ist. Darüber hinaus regt es an, die eigene religiöse Prägung zu bedenken.

Referentin: Prof. Dr. Anna-Katharina Szagun

Freitag, den 15.11.2019, 19:00 Uhr

Forum des Peter-Prinz-Bildungshauses, Arnsberg, Ehmsenstr. 7

Rückblick auf die Veranstaltung:


„Wie kommt Gott in Kinderköpfe? Von der Herkunft und Zukunft unseres Glaubens“ mit Frau Prof. Dr. Szagun am 15.11.2019

„Bist du ein Haus aus dicken Steinen?“, so beginnt ein Lied von Reinhard Bäcker die Suche und Beschreibung von Gottesvorstellungen. Ganz unterschiedliche Bilder kommen dabei zum Tragen: wie der Wind, ein Schiff, wie ein Freund, ja, wie eine Kuscheldecke.
Um die unterschiedlichen Vorstellungen von Gott und wie sie sich entwickeln ging es auch bei diesem Vortrag. Die Erkenntnisse von Frau Prof. Szagun, die in den 90er Jahren die Religionspädagogik an der Uni Rostock neu aufgebaut hat, gründen auf Langzeitstudien, in denen sie Kinder begleitet hat vom Kindergarten bis zum Abitur. Dabei hat sie mit ihnen immer wieder über ihre Entwicklung, Erlebnisse usw. gearbeitet und dazwischen auch über die Entwicklung ihrer Vorstellungen von Gott. Diese wandelten sich durchaus im Laufe der Entwicklung, abhängig von Ereignissen, eigenen Entdeckungen und weiteren Deutungen. Auch Kinder aus -seit drei Generationen! - unkirchlichen Familien entwickeln Vorstellungen von Gott, wenn man mit ihnen in ein undogmatisches Gespräch kommt.
Entscheidende Faktoren für die Entwicklung einer positiven Gottesvorstellung sind Geborgenheit und emotionale Beziehung. Andere Vorstellungen wie „der große Aufpasser“, der Seelenkrämer, der Panzer zeugen von schweren Einschnitten, Verkümmerungen, Defiziten oder dem Hängen an festgelegten Begrifflichkeiten.
Es gilt jedoch für eine lebhafte und lebendige Gottesvorstellung, Möglichkeiten des ‚Andockens‘ an eigenes Erleben zu schaffen, nicht an hergebrachten Richtigkeiten zu hängen. So kommt man zu eigentlichen Kern des Glaubens. Dabei wird sich die Vorstellung von Gott und die Bilder, die in uns entstehen, immer wieder ändern. Nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Alten. Nur so ist Entwicklung zu verstehen. Und auch für die Vorstellung von Gott ist diese Offenheit wesentlich: Gottes Sein ist im Werden. Die prinzipielle Offenheit auf Gott hin und Dialogfähigkeit kommt auch in dem Kehrvers des Liedes zum Ausdruck: „Mein Gott, ich kann dich gar nicht sehen. Und doch sagst du, ich bin bei dir. Mein Gott wie soll ich das verstehen? Ich bitte dich, komm, zeig es mir.“



Prof. Dr. Anna-Katharina Szagun (anna-katharina@szagun.de)
Zur Entwicklung der Gotteskonzepte von Heranwachsenden zwischen 3-19 Jahren
Zweifel daran, ob in kirchlichen Kontexten entstandene Stufentheorien zur religiösen Entwicklung aus-sagekräftig sein könnten für mehrheitlich konfessionslose Kontexte, stießen 1999 die Rostocker Lang-zeitstudie an, die seitdem mehr als 200 Kinder/Jugendliche mehrjährig (z. T. von Kl.1 - Abitur) im Osten wie Westen der BRD untersuchte: Die Ergebnisse liegen (s. u.) in Veröffentlichungen vor.

Gotteskonzepte sind mehrdimensional (vgl. Grom) vorstellbar im Bild einer Ellipse. Brennpunkt 1: kognitive Dimension = Gottesverständnis; Brennpunkt 2: affektive bzw. motivationale Dimension = Gottesbeziehung. Lebenslang interagieren die bei-den Dimensionen.
Die Untersuchung zeigen, dass Kinder ihre ersten Kon-zepte aus Versatzstücken konstruieren, die sie im nächsten Um-feld aufschnappen und kreativ bearbeiten. Die zunächst fragilen Konzepte erweitern, vernetzen und verfestigen sich bei kontinuierlichen Anregungsimpulsen. Fehlen Anregungen und Kommunikation, kapseln sie sich früh ein. Eine positive Gottesbeziehung scheint ein Urvertrauen vorauszusetzen. Die im Gottesverständ-nis enthaltenen Zuschreibungen (Allmacht? Garant von Sicherheit + Wohlergehen? Mit oder ohne verborgene bzw. dunkle Seite?) prägen die Erwartungen, wenn ein Kind Gott in Belas-tungssituationen (z.B. Armut, Konflikte, Krankheit, Trennung der Eltern) betend "in Anspruch nimmt".


Kurzfassung (ausgewählter) Ergebnisse der Rostocker Studie:
A Schlüsselrolle von Sozialisation: Erwachsene prägen umfassend + nachhaltig!
B Kinder sind theologisch wie philosophisch produktive, kompetente Subjekte!
C Gottesbilder spiegeln die Lebenswelt und –erfahrung.
D Lebenserfahrung, Weltbild und Gottesverständnis müssen vereinbar sein!
Zu A) Entwicklungsaspekt im Auge behalten, aber Sozialisationsaspekt stärker gewichten!
 Beziehungen und emotionale Tönung sind Hauptfilter der Rezeption religiöser Phänomene.
 Heranwachsende nehmen seismographisch die ‘echten’ Positionen v. Erwachsenen auf,
 von Gleichaltrigen mitgebrachte Gotteskonzepte variieren stark je nach Beziehungsklima, Breite und Offenheit (Freiraum!) des Anregungsmilieus und der Lebensrelevanz des Glaubens in der Familie,
 Modelle sind zentral wirksam, für wie gegen den Glauben: Komplexe Modellwahl, auch in sekundärer Sozialisation. Bei Kindern aus "frommen" Kontexten bildet die Gottesbeziehung meist das Primäre.
 Anthropomorphismus ist wesentlich durch Erwachsene induziert, zeigt sich nachhaltig fixiert bei atheistisch. bzw. fundamentalistischem Hintergrund, wird durch d. "Kulturelle Tapete" laufend verstärkt.
 Anthropomorphismen fehlen bei Kindern aus religiös reflektierten Kontexten fast völlig.
 frühe anthropomorphe Konzepte enthalten überwiegend bereits transzendenzbewusste Elemente,
 Kinder bringen Teilbegriffe mit. Je nach Anregungsimpulsen, individuell. Interesse + Kommunikati-onsräumen erweitern, korrigieren + systematisieren sie mit steigendem Alter ihr Konzept, falls keine emotionalen Barrieren (z.B. Familienloyalität) dagegenstehen.
Zu B) Kinder sind theologisch produktive + kompetente Subjekte
 Schon junge Kinder sind zum aktiven (früh) und passiven (später!) Metaphernumgang fähig,
 ihre (z. T. hoch abstrakte) Weisheit steckt jedoch in (intuitiv gefundenen) konkreten Bildern,
 die schrittweise Entfaltung des Mitgebrachten braucht Anregungen, Kommunikation, Freiräume,
 die Verbalisierung ihrer Bilder (bzw. Gotteskonzepte) ist an die kognitive Entwicklung gebunden.
 Schon bei Schuleintritt zeigen Kinder neben der Tendenz zu buchstäblichem Verstehen Ansätze zu Symbolkritik wie Ansätze zu echtem Symbolverstehen (i. S. einer ‚zweiten Naivität’),

Zu C + D) Lebenserfahrung, Weltbild + Gottesverständnis müssen vereinbar sein
 das Gottesbild spiegelt die Lebenswelt, weist in seiner Vieldeutigkeit aber darüber hinaus,
 die individuelle Kernthematik kann - falls die Inanspruchnahme Gottes dafür als hilfreich erfahren wird - den Kristallisationspunkt einer Gottesbeziehung bilden…
 ein nicht mit der Erfahrung kompatibles Gottesverständnis be- oder verhindert die Gottesbeziehung,
 naive Konzepte (Gott/Gebet/Bibel), insbesondere das Konzept eines "lieben Über-Vaters" der bei Wohlverhalten Sicherheit und Wohlergehen garantiert, endet in Sackgassen: Enttäuschungsatheismus,
 mit kognitiver Reife nimmt die Tendenz zu Abstraktion + Systematisierung zu:  Theismuskrise,
 ergänzende non-theistische Bilder brauchen Raum und kompetente Kommunikationspartner/innen,
 das Bibelkonzept fördert oder aber verbaut ein mitwachsendes Gotteskonzept.

Das Schema bildet die Vielfalt von Faktoren ab, die bei der Entwicklung von Gotteskonzepten eine Rolle spielen können: Mittig der individuelle Bin-nenbereich mit seinen Aktivitäten + Resonanzen (blaue Pfeile). Direkt anschließend finden sich die für eine explizit religiöse Thematik besonders wichtigen Faktoren (Kommunikationsräume usw.), je einmal für beide Sozialisationsinstanzen, daneben jeweils Faktoren, die materiell, sozial + kulturell Denken und Empfinden von Heranwachsenden prägen. Die umrahmende Ellipse steht für übergreifende Einflüsse, u.a. der „ Kulturellen Ta-pete„ mit ihrem teils zu Klischees mutierten christlichen Erbe.

Konsequenzen für die Begleitung von Kindern auf ihrem religiösen Weg:
 Reflexion der eigenen religiösen Biogra-phie: "Was trägt mich?" (Authentizität) und: Kritische Sichtung d. ‚Kulturellen Tapete’ (HERR, Credoformulierungen, z.B. Allmacht)
 Die Gottesbeziehung ist das Wichtigste: Das Gottesverständnis sollte daher so be-gleitet werden, dass es die Gottesbeziehung nicht stört! Da GOTT auch für Erwachsene lebenslang ein doppelgesichtiges Geheimnis bleibt, sollte auch Kindern GOTT von Anfang an als "Geheimnis, das hinter Welt und Le-ben steht", eingebracht werden. Christlicher Glaube beinhaltet wesentlich, Jesu "Reich-Gottes-Programm" nachzufolgen.
 Ein "Für-wahr-halte-Glauben" wird weder Erwachsenen noch Kindern zur Ressource. Eine in Fami-lie, Schule, Kita, Gemeinde gelebte Kommunikation des Evangeliums kann "Hebammendienste" leisten für einen (unverfügbaren) "Lebensglauben", der Kinder/Erwachsene trägt und stark macht ( Ps.23)
Literatur:
Szagun, A.-K, "Nur Gott selbst kann wissen, ob es ihn gibt" Langzeitstudie zur frühkindlichen Entwick-lung von Gotteskonzepten in zunehmend säkularen Kontexten, Gera 2018.
Szagun, A.-K. Ist Gott ein Dreieck oder doch eher ein Elefant? 2011
Szagun, A.-K.: Glaubenswege begleiten - Neue Praxis religiösen Lernens. Hannover 2013
Szagun, A.-K. / Pfister, S., Wie kommt Gott in Kinderköpfe Gera 2017

Zum Gedenken an den 09.11.1938:

„Mein glückliches Leben“
Gespräch mit dem Zeitzeugen Herrn Harry Gruneberg, London

Träger:

Veranstaltergemeinschaft 09.11.1938

Sonntag, den 10.11.2019, 17:00 Uhr

St. Ursula-Gymnasium, Neheim

Rückblick zur Veranstaltung

„Gedenken an den 09. November 1938“

„Mein glückliches Leben“ - Gespräch mit dem Zeitzeugen Gerry Gruneberg, London
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Seit vielen Jahren wird in Arnsberg das Gedenken an den 09. November 1938 wachgehalten mit Kranzniederlegungen auf den jüdischen Friedhöfen, mit Veranstaltungen, die an die jüdische Kultur erinnern, die seit der Schreckensherrschaft der Nazis hier so nicht mehr vorhanden ist. So gab es in den vergangenen Jahren Konzerte, Vorträge und eine Kunstausstellung.

Ebenfalls seit vielen Jahren ist die Ev. Akademie Mitglied in der ‚Veranstaltergemeinschaft Gedenken an den 09. November 1938‘ und beteiligt sich so an den Gedenkveranstaltungen.

In diesem Jahr war es nun ein Abend, der in besonderer Weise bewegend war. Es ging um eine Begegnung mit Gerry Gruneberg und seiner Familie. Die Familie Grunebergs stammt aus Hüsten; ‚hier sind seine Wurzeln‘, meinte er. Hier lebten sie über 100 Jahre als angesehene Viehhändler. Ein Mitglied der Familie gehörte zu den Gründern der heutigen Volksbank Sauerland. Nur durch viel Glück konnte Gerry Gruneberg, damals ein kleines Kind, und seine Eltern entkommen. Etwa 200 Teilnehmende kamen in die Aula des St. Ursula-Gymnasium und erlebten diesen Abend.

Bewegend war, wie Herr Gruneberg seine Erinnerungen an die Zeit der NS-Herrschaft schilderte, z. T in Deutsch und mit versagender Stimme.
Bewegend war, wie Schülerinnen und Schüler sich -zusätzlich zu ihren sonstigen Aufgaben, mit dem Schicksal Gruneberg beschäftigt hatten und weiterführende Fragen stellten.
Bewegend war, wie Thomas Bertram, Vorsitzender der Veranstaltergemeinschaft, und Bürgermeister Bittner das Gedenken vergegenwärtigten, ‚dass es keinen Platz für neuen Rassismus gibt in Arnsberg‘.
Bewegend war die freundschaftliche, enge Beziehung zwischen Gerry Gruneberg und Werne Saure zu sehen: dass solches möglich ist nach all dem Geschehen!
Beim Abschied wurde Herr Gruneberg gefragt, was für ihn bewegend war. „Der Kaddisch (=Totengebet) auf dem jüdischen Friedhof und die interessanten, aufgeweckten Fragen der Jugendlichen“, meinte er.

Bibelseminar der Ev. Akademie

Wie wir leben können.

Texte aus der Bergpredigt.

Ltg.: Pfr.i.R. V. Horstmeier

Donnerstags, 17:00 Uhr

Am 10.10.2019 ,17.10.2019 und 24.10.2019

Voraussichtlich: Gemeindesaal Liebfrauen

Trinität- Geheimnis des Glaubens

Sieht so Trinität aus?

„Wir glauben an den einen Gott.“ Das sagen Christen, Juden und Muslime. Doch dann wird darauf hingewiesen: „Aber ihr habt doch drei!“ Und wir Christen geraten ins Stottern, denn so ganz einfach ist es ja nicht verständlich zu machen, das Geheimnis der Trinität. Gott ist Einer, ein einziger - aber er ist kein ‚Einerlei‘. Er handelt differenziert, vielfältig, ‚drei-faltig‘: schaffend und erhaltend (Vater), erlösend (Sohn) und Glauben weckend (Hl. Geist). In allem geht es aber um ein- und denselben Gott. In jeder Beziehung haben wir es mit dem einen Gott zu tun.

Vikarin Larissa Hachmann-Figgen

Dieses einzigartige Verhältnis bleibt in seiner Komplexität oft genug verborgen und ist, wenn schon nicht ganz begreifbar, so auf jeden Fall schwer darzustellen. So ist dieser Vortrag schlicht der Versuch, dem Geheimnis des Glaubens auf die Spur zu kommen und ein wenig davon zu verstehen.

Vikarin Larissa Figgen, Warstein

Mittwoch, 11.09.2019, 18:00 Uhr

Ort: Forum Peter-Prinz-Bildungshaus, Ehmsenstr. 7

Die Veranstaltung ist aus Krankheitsgründen der Referentin ausgefallen und wird nachgeholt.


Wir arbeiten zusammen:


Vom Knistern in der Kirche

"Auch noch verlieren ist unser; und selbst das Vergessen hat noch Gestalt in dem bleibenden Reich der Verwandlung. Losgelassenes kreist; und sind wir auch selten die Mitte einem der Kreise; sie ziehn um uns die heile Figur." (Rainer Maria Rilke)

Wie Wandel in der Kirche gelingen kann – und wie Rilke dazu beiträgt.

Die Kirchen, wie auch manche anderen Institutionen des gesellschaftlichen Lebens, sind gegenwärtig einem großen Wandel ausgesetzt. Unter den Begriffen „Wir werden kleiner- ärmer-älter“ deuten sich tiefgreifende Veränderungen an. Die Kirchen scheinen sich in einem Prozess zu befinden, der sie implodieren lässt.

Die Diskussionen um den notwendigen Strukturwandel sind oftmals geprägt durch strukturelle Gedanken und Strategien, die den Wandel weniger schmerzlich erscheinen lassen. Dabei kratzt das nur an der Oberfläche. Es geht ja um viel mehr: mit welcher Haltung wird der Wandel gestaltet? Was bewegt und trägt und verändert die Kirche in ihrer äußeren Gestalt und in ihrem inneren Gehalt? Wo ‚knistert‘ es in der Kirche? Es geht also in den Veränderungsprozessen unserer Kirchen viel um Loslassen und Abschied.

Was aber sind Haltungen, mit denen der Wandel gelingen kann? Wie gewinne ich Wandelmut – Mut zum Wandel und nur wenig verwandt mit Wankelmut- und was lässt mich vertrauen?

Pfarrerin Christina Bergmann sucht nach dem, was dahinter und darunter und darüber hinaus ist -und wird überraschend fündig in der tiefen Lyrik Rainer Maria Rilkes.

Pfarrerin Christina Bergmann

Pfarrerin Christina Bergmann,

KK Soest-Arnsberg,

Mittwoch, 13.02.2019, 18:00 Uhr

Forum des Peter-Prinz-Bildungshauses, Ehmsenstr. 7

Rückblick zu:

„Vom Knistern in der Kirche. Wie Wandel in der Kirche gelingen kann – und wie Rilke dazu beiträgt.“ Vom 13. 02.2019 mit Pfr’in Christina Bergmann

Wer in diesen Zeiten sich mit dem notwendigen strukturellen Wandel der Kirche beschäftigt, muss ein gewisses Maß an Leidensfähigkeit mitbringen. Oder interessiert an Alternativen sein. Offensichtlich interessiert waren die Zuhörerinnen und Zuhörer des Vortrags von Pfarrerin Christina Bergmann.
Sie hat lange Zeit im Strukturbüro des Kirchenkreises Arnsberg gearbeitet, war beteiligt an der Vereinigung der Kirchenkreise Arnsberg und Soest und hat von daher einen gehörigen Einblick in die Strukturdebatten.
Gleichwohl sind ihrer Ansicht nach institutionelle Vorgaben und Strukturen in der Kirche nur das eine. Mit ungleich mehr Motivation kann der Wandel in der Kirche gelingen, wenn man sich darauf einlässt, was aus der Mitte und der Tiefe des Glaubens heraus dazu bewegen kann. Wenn man also gespannt darauf ist und dem nachspürt, ‚wo es knistert in der Kirche‘. Denn es geht darum, von dem auszugehen, was uns ausmacht, nicht nur von dem, was wir machen. Diese Grundhaltung beginnt beim Osterglauben, also in der Mitte des christlichen Glaubens, denn das Grab Jesu ist eine Leere, die alles enthält.
Bei der Suche nach der Mitte vermittelte sie überraschende Einsichten und Hilfen aus dem Werk und den Gedanken Rilkes, der seinerseits -in eher mystischer Weise- um die Mitte und die Tiefe kreist. Damit wurden jedoch ungewöhnliche Zusammenhänge erstellt, die staunend und überraschend neue Perspektiven entdecken ließ. Womöglich lässt sich das „Transzendenzdefizitsyndrom“, das die Referentin auch bei der Kirche diagnostizierte, mutig und gelassen beheben und dem Staunen über Gott und die Welt wieder mehr Raum geben.
Ein anregender Abend, der auch mit dem Hinweis auf die Möglichkeit eines Literarischen Gottesdienstes zu Rilke eine weitere Brücke zum Knistern in der Kirche schlug.

Wir arbeiten zusammen:


Bibelübersetzungen

Kirchliches Kauderwelsch – oder: dem ‚Volke auf’ s Maul geschaut‘ - nicht nach dem Mund geredet.

Wie die Sprache der Kirche Menschen erreichen kann – oder auch nicht, zeigen Übersetzungen der Bibel. Immer wieder hat es Versuche gegeben, mit neuen Übersetzungen der Bibel Menschen in der Sprache ihrer Zeit zu erreichen. Beispiele hierfür sind die Übertragungen von Jörg Zink oder der Guten Nachricht (1968) oder in der jüngsten Zeit die ‚Basis-Bibel‘.

Auch die Übersetzung Martin Luthers hat mehrere Revisionen durchlaufen, die jüngste erst im Jubiläumsjahr der Reformation 2017. Sie alle haben in unterschiedlicher Weise versucht, die Schwierigkeit der Unverständlichkeit zu meistern, um zu einer Sprache zu gelangen, die man verstehen kann.

OStD i.R. Klaus Ullrich

Mittwoch, den 15.05.2019, 18:00 Uhr

Forum des Peter-Prinz-Bildungshauses, Ehmsenstr. 7

Wir arbeiten zusammen:


"Harry Christmas" statt Merry Christmas



– Religion in J. K. Rowlings Buchreihe Harry Potter

Religion in Harry Potter? Gibt es die? Der Zauberschüler Harry Potter geht weder aktiv in die Kirche noch sucht er bewusst nach Gott. Viel eher hält er Ausschau nach dem gefürchteten Voldemort, um ihn zu bekämpfen. Dabei ist er keine Ausnahme auf seinem Internat Hogwarts. Seine Welt wirkt erstaunlich areligiös. Doch das erscheint nur so auf den ersten Blick. Denn immer wieder lassen sich religiöse Aspekte entdecken, die deutlich machen, dass Religion doch durch das Hintertürchen hineinkommt und dieser phantastischen Welt eine metaphysische Ebene ermöglicht. Darüber hinaus streut die Autorin J.K. Rowling an verschiedenen Stellen explizit theologische oder gar biblische Splitter ein, die Hogwarts ebenfalls eine weitere Tiefe vermitteln. Vor allem bei der Frage nach dem Sinn des Lebens sowie bei den Themen Tod und Auferstehung werden im Werk existentielle Antworten gegeben, die man genauer beleuchten und gemeinsam diskutieren sollte. Daher werden in dem Vortrag zunächst verschiedene explizite religiöse Elemente der Reihe Harry Potter aufgezeigt und sodann implizite religiöse Aspekte aufgedeckt, die jedoch zweideutig bleiben und so einmal verdeutlichen, wie stark Rowlings Bücher in der christlichen Tradition verwurzelt ist, aber gleichzeitig dass heutige Fantasy-Literatur auch im Bereich der Theologie ihre eigenen Wege geht.


Referentin:
Dr. Christina Heidler, Bad Nauheim

Dienstag, 28.05.2019, 19:30 Uhr

Ort: Mariengymnasium Arnsberg

Veranstalter: Kath. Bildungswerk

Veranstalter:

© Evangelische Akademie Arnsberg